Auszug aus dem „Hag-Buch“

Hausarbeit im Rahmen der

AKT–Ausbildung

Monika R./Hans G.

 

 

 

Lilith, Adams erste Frau

Monika R

 

Vorwort

 

Ich habe gestaunt und war überrascht , das in meinem bisherigen Leben Lilith Adams erste Frau nie aufgetaucht ist. Christlich erzogen, mit den biblischen Geschichten aufgewachsen, bin ich mit meiner schulischen Ausbildung bisher nicht auf eine erste Frau Adams gestoßen.

Es ist mir sehr wohl bekannt, daß es in Familien oftmals Geheimnisse um erste Frauen, nichteheliche Kinder, Väter, Mütter und andere Verwandte gibt. Das es dies in unserer Schöpfungsgeschichte, im Buch aller Bücher, der Bibel auch ein Familiengeheimnis gibt ist vielleicht der Ursprung all dieser Verheimlichungen.

In dieser Arbeit wollen wir sehen, was es mit Lilith der ersten Frau Adams auf sich hat. Wer ist sie und was ist ihre Bedeutung.

Der Mythos der Göttin und Dämonin Lilith, die sowohl im Alten Orient bei den Sumerern und Assyrern, als auch in Bräuchen und alten Ritualen im Judentum, Christentum und Islam eine Rolle spielt und in der Kunst, in der Literatur, im Feminismus, in den unterschiedlichen Weltanschauungen, in der Geschichte des Wandels der Geschlechterrollen und weltweit in den Popkulturen der Fantasy- und Internetwelt von äußerst überraschender Lebendigkeit ist.

 

 

Etymologie des Wortes Lilith:

 

Sturm oder Wind bedeutet Lil im alten Sumer, einer der ältesten Hochkulturen, die im dritten Jahrtausend vor Christi im Zweistromlandes in Mesopotamien angesiedelt war. Ein weiblicher Dämon oder Windgeist, ein Sturmdämon ist es im babylonisch – assyrischen Wort lilitu.

Im volksetymologischen Zusammenhang wird es als die „ Nächtliche“ auch nach dem Hebräischen und arabischen Wort Laila, das Wort für Nacht gebracht. Deshalb wird der Name Lilith auch mit Nachtgespenst über- und ersetzt.

Mögliche Übersetzungen sind noch das sumerisch- babylonische Wort lilu für Lotus, nach Barbara G. Walker (1) Damit wird sie in Bezug zu den Lotusgötinnen Ägyptens und Indiens gesetzt. In Indien gilt der Lotus als Symbol der Fruchtbarkeit und Wiedergeburt, sowie der spirituellen Reinheit

 

 

 

 

 

 

 

 

Die erste bildliche Darstellung der Lilith auf einem sumerischen

Terrakotta-Relief ca. 1950 v. Chr.

Nach seinem Besitzer Sydney Burney als Burney Relief bezeichnet.

Inschriftlich ist allerdings nicht bezeugt, das es sich um Lilith handelt.

Lilith und die Sumerer:

 

Erwähnt wird Lilith nach Vera Zingsem in dem sumerischen Text von Inanna, Lilith und dem Huluppu-Baum, einer Geschichte um die sumerische Göttin Inanna. Hier ist die Rolle der Lilith aber nur kurz und im Dunkeln. Sie wird als dunkle Jungfrau Lilith, erwähnt, die ihr Haus widerrechtlich in einem heiligen Baum baut und auf Androhung von Gewalt entflieht.

In weiteren sumerischen Texten kommt Lilith nicht mehr vor, allerdings erscheint sie auf dem Terrakotarelief als Göttin, mit der gehörnten Tiara auf dem Kopf und weiteren Symbolen, die sie als Göttin aus weist.

 

 

Lilith und die hebräische Mythologie

 

Gott schuf an Adams Seite eine Frau namens Lilith. Sie war diesem völlig gleichberechtigt und ebenbürtig, daher verstand sie sich als ein freies Wesen, dem Unterordnung völlig fremd war. Ihr stolzes und selbstbewusstes Auftreten, ihre Weigerung Adam zu dienen, stießen nicht gerade auf die Zustimmung Gottes, der Adam als Abbild seinesgleichen sah und damit ihren Freiheitswillen als Rebellion gegen sich verstand. Es wird weiterhin erzählt, dass Lilith beim Sex stets oben liegen wollte. Adam aber wollte sich die dominante Position nicht nehmen lassen, und schließlich kam es zum Eklat zwischen den beiden. Lilith sprach den geheimen Namen des Herren „Schem Hammeforasch“, eine Zauberformel, aus und flog davon. Auf Adams Flehen hin sandte Gott drei Engel ( Sanvi, Sansanvi und Semangelaf) aus, um sie zurückzuholen. Lilith brach in schallendes Gelächter aus ob deren Versuche und Adams Wehklagen. Sie hatte sich an der Küste des Roten Meeres niedergelassen und war mittlerweile eine Verbindung mit dem Dämon Djinns eingegangen, mit dem sie viele Kinder gezeugt hatte. Als Strafe für ihren „Ungehorsam“ und wie sie nicht zurückkehren wollte ließ Gott jeden Tag 100 ihrer Kinder töten. Vor Trauer wahnsinnig, begann sie nun selbst als kindermordende Dämonin Schrecken und Angst zu verbreiten. Knaben bis zum 8.Tag, dem Tag der Beschneidung und Mädchen bis zum 20. Tag waren ihrer nur sicher, wenn sie die Namen der drei Engel hörte oder ihr Bilder auf einem Amulett an einem neugeborenen Kind sah.

Einige sagen, das Lilith als Königin von Smaragd und dann von Saba herrschte und das sie die Dämonin war, die Jobs Söhne tötete. Sie entging dem Fluch der Sterblichkeit, der Adam traf, weil sie sich lange vor dem Sündenfall getrennt hatten. Lilith und Naama ( ihre Tochter) erdrosseln nicht nur kleine Kinder, sondern verführen träumende Männer, die wenn sie alleine schlafen , zum Opfer fallen können.

 

Gott verzagte nicht weil es ihm nicht gelungen war eine passende Gefährtin für Adam zu erschaffen. Er nahm eine Rippe aus Adams Seite während dieser schlief und formte sie zu einer Frau. Eva., die neue Gefährtin und Gehilfin Adams.

 

 

Lilith und die Bibel

 

In der biblischen Schöpfungsgeschichte wird über Lilith geschwiegen. Allerdings taucht das Wissen um dieses bedrohlich empfundene Wesen z.B. in den Texten auf im dem der Prophet Jesaja das Strafgericht ankündigt …“ dort begegnen sich wilde Katzen und Wüstenhunde, Bocksgeister halten dort ihr Stelldichein; dort rastet Lilith und findet einen stillen Ort für sich.“ Strafgericht Jawes über Edom, Jes 34, 9-15.

In ähnlich negativer Weise „ ..Jetzt läßt im Zelt sich Lilith nieder, und über seine Wohnstatt streut man Schwefel. Fürwahr, so geht’s der Wohnung eines Frevlers, der Stätte dessen, der auf Gott nicht achtet.“ Hiob 18, 15. 21

Beide Texte sind der Jerusalem Bibel entnommen. Interessant ist, das Lilith seit der Reformationszeit aus den christlichen Bibelausgaben verschwindet. So finden wir z.B. auch in der Lutherbibel das Wort Lilith durch Kobold ersetzt. ( Vera Zingsem)

 

 

Lilith und der Talmud

 

Im Talmud wird Lilith an mehreren Stellen erwähnt. „Lilith, eine berüchtigte Dämonin der Nacht, hat langes Haar – B.Er.100b.

Lilith, eine Nachtdämonin , sieht aus wie ein Mensch, doch sie hat auch Flügel – B.Nido 24b.

Rabbi Hanina sprach: Man darf nicht alleine in einem Hause schlafen, denn wer auch immer alleine in einem Hause schläft, wird von Lilith erfaßt- .“B.Shab.151b oder auch Rabbi Jerimia ben Eleazar „ in jenen Jahren, nach der Vertreibung aus dem Paradies, als der erste Mensch Adam unter dem Bann stand, zeugte er Geister und männliche Dämonen und weibliche Nachtdämonen oder Liliths.“ (Vera Zingrem).

 

 

Lilith und die Mythologie

 

Adams erste Frau ist das Relikt eines frühen rabbinischen Versuches, die sumerisch-babylonische

Göttin Belet-ili oder Belili in die jüdische Mythologie zu integrieren.

Für die Kanaaniterinnen war Lilith die Ba’alat, die »heilige Herrin«. Auf einer Tafel aus Ur, die etwa aus dem Jahre 2000 v. Chr. stammt, wird sie mit dem Namen Lillake angesprochen.

 

Die hebräische Tradition sagte, Adam habe Lilith deswegen geheiratet, weil er es müde wurde, sich mit Tieren zu paaren. Die Sodomie war, obwohl das Alte Testament sie als Sünde einstufte (Deuterono-mium 27,21), unter den Hirten des Mittleren Ostens eine gebräuchliche Sitte. Adam versuchte, Lilith dazu zu zwingen, in der“ Missionarsstellung«, die von männlich beherrschten Gesellschaften bevorzugt wird, unter ihm zu liegen. Die Moslems bestanden so hartnäckig auf dieser sexuellen Stellung, die den Mann zum Überlegenen macht, dass sie sagten: »Verflucht sei der Mann, der die Frau zum Himmel und sich selbst zur Erde macht.«

 

Liliths Fruchtbarkeit und sexuelle Vorlieben zeigen, dass sie die Große Mutter sesshafter, Ackerbau treibender Stämme war, die sich den durch Adam repräsentierten Invasionen nomadischer Hirten widersetzten. Die frühen Hebräer lehnten die Große Mutter ab, weil sie das Blut des Hirten Abel getrunken hatte, nachdem dieser von Kain, dem älteren Gott des Ackerbaus und der Schmiedekunst, erschlagen worden war (Genesis 4, 11). Das Rote Meer der Lilith war eine Variante des Blutozeans der Kali Ma, aus dem alle Dinge geboren wurden. Dieser Ozean musste jedoch regelmäßig durch Opfer aufgefüllt werden.

 

Vielleicht gab es eine Verbindung zwischen Lilith und der etruskischen Göttin Leinth, die kein Gesicht hatte und zusammen mit Eita und Persipnei (Hades und Persephone) am Tor zur Unterwelt wartete, um die Seelen der Toten zu empfangen. das Tor zur Unterwelt war eine Yoni oder auch eine Lilie, die »kein Gesicht« hatte. Der Einlas in die Unterwelt wurde in der Mythologie oft als sexuelle Vereinigung betrachtet. Die Lilie oder lilu (Lotos) war die Blumenyoni der großen Mutter, deren Titel Liliths Namen bildete. Die Geschichte von Lilith verschwand aus der kanonischen Bibel, aber ihre Töchter, die lilim, verfolgten Männer mehr als tausend Jahre lang.

Natürlich hockten die lilim auf ihren Opfern in der Stellung, die in den antiken Matriarchaten bevorzugt wurde. Die Griechinnen übernahmen die lilim und nannten sie Lamiae, Empusae (Gewalteindringlinge) oder Töchter der Hekate.

 

Auch die Christen übernahmen sie und nannten sie Höllenhuren oder Succubi, das weibliche Gegenstück zu den Incubi. Enthaltsame Mönche versuchten, sie dadurch abzuwehren, dass sie im Schlaf ihre Hände, die ein Kruzifix umklammerten, über ihren Genitalien gekreuzt hielten. Es hieß, dass Lilith jedes Mal lachte, wenn ein frommer Christ einen feuchten Traum hatte. Selbst wenn ein Junge im Schlaf lachte, so sagten die Leute, Lilith streichele ihn. Um Jungen im Babyalter vor ihr zu schützen, zog man Kreidekreise um ihre Wiegen, in denen die Namen der drei Engel standen, die Gott ausgesandt hatte, um Lilith zu Adam zurückzubringen; und das, obwohl sich diese Engel als unfähig erwiesen hatten, mit Lilith fertig zu werden. Einige Leute sagten, Männer und Babys dürften nicht allein im Hause bleiben, denn sonst könnte Lilith sich ihrer bemächtigen.

Nachthexe war ein weiterer üblicher Name für die Töchter der Lilith. Dieser Name beinhaltete nicht, dass sie hässlich waren. Im Gegenteil, sie sollen sehr schön gewesen sein.“ Wie von ihren Brüdern, den Incubi, nahm man von ihnen an, sie wären so kundig in der Liebe, dass ein Mann nach einer Erfahrung mit einer Nachthexe nicht länger durch die Liebe einer sterblichen Frau befriedigt werden könne.

 

 

Zur Psychologie des Lilith-Mythos

Hans G.

 

Der Lilith-Mythos ist sehr umfangreich und wer sich damit beschäftigt, wird auf die verschiedensten Sichtweisen und Interpretationsmodelle stoßen. Nach dem Sohar, dem Heiligen Buch der Kabbala, war sie die „weibliche Seite Gottes“. Geheimnisvoll, verführerisch, doch auch unheildrohend. Ein geflügeltes Wesen von feurig-provokativem Temperament. Eine Göttin? Eine Dämonin? Oder einfach eine Frau, die sich nichts gefallen ließ? Geistbegabt, hochfliegend, zu groß für den dumpfen Erdenkloß Adam ? Geisterte sie über Jahrtausende als Irrlicht vor allem durch Männerphantasien, so wird sie neuerdings von Frauen entdeckt.

Die Figur Lilith erschließt sich heutzutage am ehesten in ihrer Gegensätzlichkeit. Leben und Tod, Freude und Schmerz, Licht und Schatten; reale wie verborgene Aspekte des menschlichen Daseins sind ihr eigen. Dies war historisch betrachtet nicht immer so. Die Patriarchen der morgenländischen Weltreligionen haben sich redlich Mühe gegeben, sie als verteufeltes Weib darzustellen, das sich Männern gegenüber als verruchte Verführerin und widerspenstige Gottesgegnerin darstellt, um sie vom rechten Weg abzubringen. Sie taucht hier häufig als Nachtwesen, bzw. als Nacht- oder Todesgöttin auf, die immer einen Zug von Unheimlichem und Gefährlichem annimmt. Auch wird sie immer wieder der Dämonie und des Kinderfraßes bezichtigt, verlässt den Garten Gottes und kehrt als Lustobjekt der Männer wieder.

Anfang des letzten Jahrhunderts wird sie in Literatur und Kunst wieder belebt und es treten neue Aspekte in den Vordergrund. Mitte der siebziger Jahre wird sie von der Frauenbewegung aufgegriffen und dient ihr als Identifikationsfigur und als Leitbild für Furchtlosigkeit. Als die Unabhängige, Stolze, Dämonische, Dunkle, auch Böse, als diejenige, die lieber Schmerzen und Leid in Kauf nimmt, als sich dem männlichen Überlegenheitsanspruch unterzuordnen.

 

 

Lilith – die „weibliche Kraft der Seele“

 

Lilith ist nicht als Wesen, sondern als Kraft, die sich in allen Menschen befindet, je nachdem entweder als verheerend oder als hilfreich zu sehen. Sie verkörpert das, was uns anzieht aber auch wieder abstößt, wo wir uns in ein Gebiet begeben, was dunkel in uns ist, wo wir nicht klar sehen können. Diese Kraft ist mächtig, sie ist der Teil des Unterbewussten, was ins Bewusstsein drängt, bewusst werden will. Psychologisch gesehen ist hier die Rede von C. G. Jungs Anima. Sie ist der Schatten, den wie ins Bewusstsein heben müssen, um zur Ganzheit zu gelangen. Denn Lilith ist zuallererst weiblich, doch sowohl Mann und Frau haben diesen Teil des Ichs anzunehmen. Es ist der Teil in uns, der urnatürlich ist, der unseren Trieben eigen ist, der unsere Individualität beansprucht. Es ist eine Urmacht, die es nicht zu verdrängen gilt, sondern anzunehmen und sich mit ihr auseinander zu setzen. Wollen wir nicht die zerstörerischen Seiten der Lilith bzw. die weibliche Urkraft des Unbewußten in uns heraufbeschwören, so müssen wir den weiblichen Gefühlskräften den Raum in unserem Leben zugestehen, der ihnen gebührt. Lilith ist unbewußt und geheimnisvoll, eine weibliche Urenergie, die wir nie ganz „in den Griff“ bekommen können. Gegen dieses Unerbittliche und Nicht-Fassbare wehrt sich unser Ego. Es will lieber an seinen Vorstellungen und Illusionen festhalten. Wenn dann die weibliche Urkraft der Lilith aus dem Unbewussten auftaucht wie die Nixe aus dem Teich, das Ego in die Tiefe zieht und uns mit dem Besten oder auch Schlimmsten in unserem Leben konfrontiert, so empfinden wir dies als schmerzhaften Eingriff.

Lilith entspricht keinem klar fassbaren Teilaspekt der menschlichen Persönlichkeit. Sie kann eher als eine tiefgründige Gefühlsenergie verstanden werden, die uns hilft, unser Potential zu verwirklichen. Mit ihrer Unterstützung bauen wir etwas im Leben auf, bringen es zu einem Höhepunkt und lassen es wieder los, um uns etwas Neuem zuzuwenden. Lilith lässt uns die Früchte unseres Tuns nicht genießen, sondern fordert Loslassen und Absterben in einem nicht zu durchbrechenden Zyklus von Werden und Vergehen. Wir haben manchmal Mühe uns von dem zu trennen, was wir geschaffen haben. Es mag uns dann ergehen wie Lots Frau, die zur Salzsäule erstarrte, weil sie zurückschaute.

 

 

Lilith – die Dämonin

 

Auch über die Dämonie von Lilith lassen sich psychologische Aspekte erschließen, die dieser Figur anhaften. Zunächst wäre auf den Begriff Dämonie kurz einzugehen. Unter einem Dämon verstehen wir ein Wesen oder eine Macht, das von einem Besitz ergreift. Die Wirkung auf Menschen kann unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite wird mit Dämonie Angst und Schrecken verbunden. Auf der anderen Seite weckt Dämonie Interesse und Neugier. Dann wiederum wird Dämonie aus dem Leben völlig verbannt – ein Beispiel wäre hier das Christentum – schließlich kann das Dämonische völlige Hingabe an Manipulation, in das Böse, Unheimliche, Versteckte manifestieren, wie es in verschiedenen Okkultistischen Richtungen zu finden ist. Beides sind Extreme, die aber die gleiche Kraft verkörpern. Ausgelebt in seinen Extremen kann es die Kontrolle über den Menschen übernehmen. Der Mensch „gerät aus den Fugen“, er empfindet sich beherrscht durch eine überwältigende Kraft, die durch ihre Größe als unheimlich und bedrohlich empfunden wird. Wichtig hierbei: das Dämonische an sich ist nicht gut oder böse sondern beides zugleich.

Psychologisch könnte man dies so deuten: das Dämonische ist ein dem Menschen innewohnender deutlich spürbarer Teil des Selbst, der nach außen drängt. Das bedeutet, diesen Fluss der Kraft nicht mit aller Macht zu unterdrücken, sondern ihn aufzunehmen und in die richtige Richtung zu leiten, in Kreativität umzusetzen. Nehmen wir ein Beispiel. Ein Kind im Heranwachsen soll keinen Träumen nachhängen, soll nicht malen, soll in keine Rollen schlüpfen, soll nur das machen, wozu es beauftragt wird. Was wird aus diesem Kind? Mit ziemlicher Sicherheit ein Wesen, das wie eine Maschine Befehle annimmt, diese ausführt, ein Wesen, welches sich nicht eigenständig weiterentwickeln kann. So gesehen kommen die der Dämonie innewohnenden positiven und fördernden Kräfte nicht zum Tragen, lediglich die verdrängten und „bösen“. Anteile zeigen Wirkung.

Die Dämonie wird in unserer heutigen Gesellschaft unterdrückt, vermieden, weg geschoben. Sie ist schlecht, böse, muss vertrieben werden, weil sie nicht gut ist. Was hat dies alles mit Lilith zu tun? Lilith symbolisiert diese Kraft, die, wie wir gesehen haben, sowohl negativ als auch positiv ausgelegt werden kann. Durch diesen Aspekt, dass sie nicht nur gut ist, wird ihr das Böse, Verruchte – und nur dieses! – angehaftet. Aus der Bibel wurde sie weitgehend ausgeblendet, ihre Existenz wurde verschwiegen, sozusagen abgetötet.

 

 

Lilith in Verbindung mit Nacht und Tod

 

Bleiben wir bei dem Dämonischen, was häufig auch mit Nacht, Unheil und Tod verbunden wird. Lilith werden diese Aspekte zugeordnet. Liliths Tier ist die Eule, die sowohl als Weisheits- wie auch als Todestier auftritt. Sie ist beides in gleichem Maße. Man kann dies insofern verbinden als man sagt, wer dem Tod ins Auge geschaut hat, nicht erst am Ende seines Lebens, sondern möglichst schon vorher sich mit dem Sterben auseinandergesetzt hat, sei weise. Also wer die Angst vor dem Tod zu überwinden, ihn als Tod Geschehnis hinzunehmen und nicht zu verdrängen gelernt hat, ist immer ein Stück voraus, hat mehr Wissen. In den antiken Mysterienkulten wurde die Einweihung in den Tod gleichzeitig als Einweihung in das Leben erfahren und gefeiert. Eulen können in der Nacht sehen, sie können sehen, was im Verborgenen liegt. Sie wissen um die Welt der Schatten.

Lilith geht und kommt, wann sie will, sie beendet damit eine Situation, sie tötet sie. Sie wirkt unheimlich, weil wir keine Macht über sie haben und wir nicht wissen, was sie für uns anzurichten vermag. Die Nacht wirkt ebenso auf uns. Wir können nicht ordentlich sehen, wir sind ihr ausgeliefert, haben Angst davor, welche Gefahren für uns sich in ihren Schatten verbergen. Doch ist die Nacht auch Ruhestätte und sie ist das Vorbereiten der Natur auf den nächsten Tag. Tag und Nacht sind gleich bedeutsam Sie haben genauso wenig Böses an sich wie Tod und Leben. Der Tod wird in unserer Kultur als etwas Böses gewertet, etwas was zu vermeiden ist. Es wird völlig verdrängt dabei, dass erst durch den Tod neues Leben entstehen kann.

 

 

Lilith, die Verführerin

 

Zuletzt möchte ich noch kurz auf die Sexualität eingehen, die uns bei Lilith begegnet. Sex ist größtenteils in unserer Gesellschaft noch ein Tabuthema, vor allem, was ein offenes und freies Sexualleben der weiblichen Seite anbelangt. Lilith verkörpert dieses und wird damit zur Bedrohung der vor allem von Männern phantasierten und gelebten Sexualität.

Lilith wurde, wie schon gesagt, vor allem das Böse, Verruchte, auch Verführerische angedichtet. Sie sollte mit einem selbst bestimmten sexuellen Leben nichts zu tun haben. Weil sie aber böse, unberechenbar etc. ist, hat sie es, und sie verführt Männer in deren Träumen. Sie ist verantwortlich für die sexuellen Gelüste der Männer. Sex erscheint hier als ein Machtspiel und genau weil es dies ist, kommen unterdrückte Triebe, vor allem seitens der Männer, zum Ausbruch. Der Dämon in uns, vor allem dessen destruktive Kraft, kann manchmal auch eine sexuelle Rolle spielen.

Zum Abschluss ein Zitat aus Clarissa P. Estes Buch „Die Wolfsfrau“, das für mich die wesentlichsten Aspekte der Geheimnis umwobenen, so widersprüchlichen Person der Lilith auf den Punkt bringt.

.„Wir müssen lernen, uns vom Leben tragen zu lassen. Dann bleibt jedes Mal, wenn Lilith auftaucht, ein goldener Schimmer zurück. Wir haben einen Blick in unsere eigenen Tiefen geworfen, haben einen blinden Fleck erkannt oder eine Ahnung von der Welt hinter dem Vorhang unseres Bewusstseins gestreift. Dies ist der Sinn des Lilith- Teiles in uns.“

Literatur, Quellennachweis:

 

Dtv-Lexikon, Band 11, Deutscher Taschenbuch Verlag, August 1978

 

:Zingrem, Vera: Lilith, Reclam Verlag Leipzig, 1.Auflage 2000

 

Walker, Barbara G: Die Geheimisse des Tarot. Mythen, Geschichte uns Symbolik, Südergellersen 1985

 

Interkulturelles Netzwerk und Theaterprojekt

www.bethnahrin.de/Lilith.htm –

 

.www.RELIGION/religion.html..\RELIGION/religion.html

 

durch Judy Weinberg (von der Premierausgabe von LILITH-Zeitschrift, von Fall 1976)

 

Clarissa P. ESTES: Die Wolfsfrau. Die Kraft der weiblichen Urinstinkte, 1997

 

Dorothee PILOW: Lilith und ihre Schwestern. Zur Dämonie des Weiblichen, Grupello, 2001

 

Kocku von STUCKRAD: Lilith. Im Licht des Schwarzen Mondes. Zur Kraft der Göttin. J. Kamphausen Verlag, 2000