Brief an den lieben Gott II

Lieber Gott,

ich bins nochmal-

jetzt mal ganz im Vertrauen- an Deiner Stelle würde ich weiße Haare kriegen beim Anblick dieses ganze Brimborium von wegen geweihte Plätze und Heilige und sowas.

Deine Stellvertreter bzw. ersten Offiziere habe Mutter Theresa selig gesprochen (bei Gelegenheit erzähl ich Dir mal von Kalkutta, erinner mich dran), haben entschieden wer verbrannt wurde und hatten nichts Besseres zu tun als Deine uralten Betplätze abzufackeln, damit sie mit Pomp und Täräh ihre eigenen Denkmäler drauklotzen konnten.

Andere haben sich gegenseitig umgebracht, von Verbrechern finanzieren lassen und Verbrecher finanziert.

Ich will garnicht von Mißbrauch, der Vatikanbank oder Klimawandel anfangen- mich wundert nur, wie Du das alles wegsteckst, lieber Gott (oder Allah, Zaratustrah, Zeus, Vishnu, Odin oder wie Dich gerade nennst)

Eins kann ich Dir mit Sicherheit sagen- wenn Du das ganze Universum erschaffen hast, wenn die Bakterien und der Pferdekopfnebel Deine Werke sind- wenn Du in allem zu aller Zeit allgegenwärtig bist, dann machts Dir bestimmt nichts aus, wenn ich vor meiner Liebsten niederkniee und mit einer Fliege das Vaterunser bete oder auf dem Dixiklo Deinen Namen preise.

Im Grunde ist alles Sein und alles Nichts von Dir geweiht, Du bist in meiner Nase, im Atomkern und in jedem Blätterteighörnchen.

Mit Verlaub, Allumfassender, ebenso bist Du in der Tumorzelle und im Projektil, welches mein Hirn wegpustet- und JA, ich weiß auch, daß es nicht ohne Deinen Willen geschieht, wenn der Väter ihre Kinder anfassen und in Deinem Namen gemordet wird.

Also bitte mecker nicht rum oder zieh auch nur eine Braue hoch, wenn ich Deinen Geist aus einer Tüte inhaliere, beim Liebesspiel Deinem Sohn zuzwinkere oder mir anderswo meine heiligen Plätze für meine Gebete aussuche.

In einem Deiner Götzentempel wirst Du mich jedenfalls nicht antreffen.

Jetzt nochmal im Ernst- brauchst Du den ganzen Kram wirklich?