Grawes Botschaft

  • mehr IT – Diagnostik(PET)
  • -bald „IT – Therapie“
  • -mehr Macht der Pharmakonzerne
  • Daher: Psychotherapie muß Therapie(Begleitung) bleiben, nicht „Psychoproduktion“(Formung) werden. PsychotherapeutInnen sollen Neurobiologie erlernen, IT-Diagnosen lesen können und Chemienkenner sein. Entscheidend für die Wirksamkeit ihrer Arbeit ist jedoch die Haltung in der Beziehung zum Patienten(Bindung, Holding, Annäherungsziele)
    also: Selbsterfahrung, Kenntnisse über aktuellen Forschungsstand, darauf fußende wohlkoordinierte interdisziplinäre Therapieplanung(Bahnung)

! Ein wichtiges Ziel der Psychotherapie muß deshalb neben der Behandlung der Störung auch die Bearbeitung der unsicheren Bindungsmuster sein. Dies entspricht dem Anliegen der Patienten, die meist neben der Symptombewältigung auch Therapieziele im interpersonalen Bereich haben. (vgl. Walter „Soziotherapie“)

Für einen therapeutischen Prozess (Therapie im Sinne von Wegbegleitung), ein Lernprozess allgemein bedeutet dies, dass Veränderung möglich ist, wenn ein Reiz stark und lang genug gesetzt wird. Der Schwerpunkt muss auf der Herausbildung neuer Gedanken, Emotionen, Verhaltensweisen liegen. Nicht am Problem verhaftet, sondern sich an möglichen, handlungsorientierten Alternativen öffnen. Diese Aktivierung neuer neuronaler Erregungsmuster muss oft wiederholt werden, damit sie sich stabilisieren und als neue Handlungsoption auch in Stresssituationen zur Verfügung stehen. Die neu etablierten Verhaltens- und Gedankenmuster sollten sich unter realen Lebensbedingungen im Alltag bewähren. Den jeweiligen Möglichkeiten angepasst, also handlungsorientiert.

Eine Aktivierung des Vermeidungssystems lässt sich kaum vermeiden bei intensiver Auseinandersetzung mit den Problemen, aber für das Erreichen der Therapieziele ist es entscheidend, so oft und lange wie möglich das Annäherungssystem zu aktivieren, um positive Prozesse zu ermöglichen. Wirkliche Bedürfnisbefriedigung kann nur durch die Realisierung von Annäherungszielen erreicht werden (Vermeidungsziele können nie ganz erreicht werden, erfordern ständige Wachsamkeit). Hilfe bei der Realisierung von Annäherungszielen (erste Priorität!) und der gezielter Abbau von Vermeidungszielen sollten zu den wichtigsten Therapiezielen gehören.

Um eine langfristige Veränderung neuronaler Strukturen (über NMDA-Rezeptoren und Second Messenger -Kaskade) zu erreichen, muß ein Thema intensiv und über längere Zeit bearbeitet werden. Einmal darüber reden reicht nicht aus!
– Damit eine Second Messenger-Kaskade in Gang kommt, sollten Dopaminrezeptoren aktiviert werden. Dies geschieht nur, wenn in der Therapiesituation subjektiv bedeutsame Annäherungsziele des Patienten aktiviert sind!

(6 Stundenregel)

· Schlußfolgerungen für die Psychotherapie:
– „Der für Neulernen und Umlernen geeignetere Funktionsmodus ist eindeutig der explizite“ (S.125)! Neulernen erfordert immer die „bewusste, willentliche, eigenmotivierte Mitwirkung des Patienten“ (S.141).
– „Die problematische Abläufe, um deren Änderung es geht, laufen jedoch überwiegend imimpliziten Funktionsmodus ab“. Das bedeutet, „dass ein wesentlicher Teil von Psychotherapie darin besteht, den expliziten Funktionsmodus zu nutzen, um im impliziten System Veränderungen herbeizuführen“ (S.126). Das heisst unter anderem: Annäherungsziele aktivieren, veränderungsförderlichen emotionalen und motivationalen Kontext herstellen (s.o.), parallel dazu intensive explizite Problembearbeitung (Erfahrungen herbeiführen, die die herzustellenden neuronalen Strukturen bahnen).

· Neuronale Plastizität: Kontrollierte Therapiestudien lieferten eindeutig den Nachweis, „dass erfolgreiche Psychotherapie dauerhafte strukturelle Veränderungen im Gehirn herbeiführt“ (S.135), dabei ergaben sich große Effektstärken. Jede intensiv betriebene Tätigkeit bewirkt nach einiger Zeit strukturelle neuronale Besonderheiten im Gehirn. Neuronale Verbindungen, die nicht genutzt werden, werden nach kurzer Zeit geschwächt („use it or loose it“, S.31). Nur intensive, längerdauernde Bahnung führt dazu, dass sich selbst aufrechterhaltende Veränderungen im Gehirn entstehen können. Dies muss bei Überlegungen zur Intensität und Massierung therapeutischer Einwirkungen bedacht werden! Hinweis:Therapieplanung interdisziplinär aus

„Wissen is nich alles aber sauwichtig“ © Schröder/Brendel 2012