Teil 1 Gesundheit am Arbeitsplatz incl. Qellenangaben 2008

Thema: Gesundheit/Betriebliche Gesundheitsforderungen
(G. Buck, Stand 29.07.2008)

Schon Herophilos von Alexandrien (im 3. Jahrhundert v. Chr.):
„Wo Gesundheit fehlt, kann Weisheit nicht offenbar werden, Kunst keinen Ausdruck finden, wird Reichtum wertlos, kann Stärke nicht kämpfen und Klugheit keine Anwendung finden“.

Friedrich Nietzsche:
»Gesundheit ist dasjenige Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen«

„Gesundheit ist ein Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen.“
Weltgesundheitsorganisation WHO, 1949

„Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Lebensumstände und Umwelt zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen“
Ottawa Chart der WHO (1991)

Gesundheit ist das »normale« (beziehungsweise nicht »krankhafte«) Befinden, Aussehen und Verhalten sowie das Fehlen von der Norm abweichender ärztlicher Befunde.
(© 2000 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG)

„Es gibt keine Gesunden, es gibt nur schlecht Durchdiagnostizierte.“
Ärztespruch

„Gesund ist ein Mensch, der mit oder ohne … Mängelseiner Leiblichkeit allein oder mit Hilfe anderer, Gleichgewichte findet, entwickelt und aufrechterhält, die ihm ein sinnvolles, auf die Entfaltung persönlicher Anlagen und Lebensentwürfe eingerichtetes Dasein und die Erreichung von Lebenszielen in Grenzen ermöglichen, so, dass er sagen kann: mein Leben; dazu gehört auch meine Krankheit, mein Sterben.“
Fritz Hartmann, 1993

Gesundheit wird individuell und gesellschaftlich hoch bewertet,
* eröffnet einen dynamischen Markt für Informationstechnik, Dienstleistungen und Produkte,
* ist im Fokus in politischen Diskursen um die Umgestaltung der Krankheitsversorgung und der solidarischen Finanzierung
* ist ein Kampfbegriff bei der Diskussion um die Zusammenhänge von Arbeitswelt/Arbeitsbedingungen und deren krankmachenden/gesunderhaltenden Faktoren.
* wird auch zunehmend als „aktiv hergestellt“ aufgefasst und stellt traditionelle Krankheits- und Behandlungskonzepte verstärkt in Frage. („Gesundheitsgesellschaft“?)
* aber auch kritisch bewertet: Gesundheitswahn? die neue „Religion Gesundheit“? „Gesundheitsgesellschaft“ treibt mit Hilfe des Gesundheitssystems –oder auch: medizinisch-industrieller Komplexe- sich selbst (und den Menschen) die Gesundheit aus (Dörner, D.: Helfende Berufe im Markt-Doping, 2008)
Die einen begreifen dies als Chance für die Umgestaltung von einem Krankheitssystem in ein Gesundheitssystem, andere betonen vor allem die Entwicklung als Risiko für zunehmende Entsolidarisierung und verstärkte Ungleichheit, für mehr Manipulation und Überwachung.

Was macht krank? Was schädigt die Gesundheit?

Jeder weiß und spürt es: Gute Arbeit hält gesund, schlechte Arbeit macht krank.
Prof. Dr. Johannes Siegrist (Medizinsoziologe): neue Studien zu „Kritische Arbeitsbelastungen“:, Herzinfarkt-Risiken und depressive Erkrankungen sind bei Jobs – die Verausgabung fordern und Anerkennung verweigern, – doppelt so hoch.
„ein ständiges Klima der Angst“ hat körperlichen und seelischen Folgen.

Aber wie können wir gute von schlechter Arbeit unterscheiden?
-> modernen Arbeitsstressforschung:

Gesundheitsförderung ist angesagt; Problembereich psychische Erkrankungen

„Epidemiologische Untersuchungen sowie Daten der Krankenkassen und Rentenversicherungsträger weisen darauf hin, dass psychische Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen haben.“ (in: Deutsches Ärzteblatt/PP/Mi 2008, S. 207)

Rentenversicherungsträger:
– starke Zunahme der Frühverentungen infolge psychischer Erkrankungen (2005: Frauen: 39,6%; Männer 28,5%)
– Krankmeldestatistik: als einzige Gruppe haben psych. Erkrankungen zugenommen

Krankenkassenreporte zeigen Anstieg psychischer Erkrankungen: DAK; IKK, TK, AOK-BW (Psychologie-report, 5/2008)
Auch BDP-Bericht: „Psychologie und Gesundheit – Psychische Belastungen im Arbeitsleben“
(April 2008)

Spitzenverbände der Krankenkassen und Mediz. Dienst (09.01.2008)
Rd. 935.000 Beschäftigte nahmen 2006 Maßnahmen der betr. Ges.-förd. in Anspruch (+35% gegenüber 2005, z.B. bzgl. körperschädigende Belastungen; Stressmanagement; ges.-gerechte MA-führung; Ges.-zirkel).
Präventionsprojekte der Kassen im Lebensumfeld jüngerer Versicherter (an (Berufs–)Schulen, Kitas) boomen – Bewegungs- und Ernährungskurse; Stressbewältigung, etc. (25% mehr als 2005)

Studie der europ. Beobachtungsstelle für berufsbedingte Risiken in Bilbao: (in: Report Psychologie 4/2008, S. 211)
– Fast jeder vierte Beschäftigte in der EU leidet unter jobbedingtem Stress
– Schätzung: bis zu 60% aller versäumten Arbeitstage sind auf Stress zurückzuführen;
– 2005: 22% der AN waren von Stress betroffen, häufigste Auslöser: unsichere Arbeitsverhältnisse, hoher Termindruck, unflexible und lange Arbeitszeiten, Mobbing, Unvereinbarkeit von Beruf und Familie.
– neueTechnologien (Informationsflut) und Arbeitsprozesse bringen neue Risiken
– Gewalt und Mobbing treten besonders im Gesundheits- und Dienstleistungsbereich auf.

Arbeitssituation psychosozialer Berufe: dem besonderen Verantwortungshintergrund ernsthaft nachkommen in einer Zeit zunehmender Stressmomente infolge:
· deutlich steigender Zeitdruck
· überhand nehmende Verwaltungsarbeit
· berufspolitische (Anerkennung/Wertschätzung) und ökonomische (Bezahlung) Schwierigkeiten
bedrohen beim Einzelnen die mentale und auch körperliche Verfassung.

Zu Einleitung:
Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist eine moderne Unternehmensstrategie zur Verbesserung der Gesundheit am Arbeitsplatz. Sie umfasst die Optimierung der Arbeitsorganisation und Arbeitsumgebung, die Förderung aktiver Teilnahme aller Beteiligten sowie die Unterstützung der Personalentwicklung bei der Realisierung dieser Ziele. BGF zielt sowohl auf eine gesundheitliche Gestaltung der Arbeitsabläufe als auch auf Anreize für ein gesundheitsbewusstes Verhalten der Beschäftigten.

Also:
„Gesundheit fängt im Kopf an“ ….??!!
Schon Jahoda/…: Die Arbeitslosen von Marienthal, 1933, zeigte: nicht das Sein bestimmt das Bewusstsein, sondern entscheidend war: die subjektive Wahrnehmung und Interpretation des Seins (gesteuert durch Persönlichkeitseigenschaften und Werteorientierung)

Aber auch :
zwischen Verhalten(sprävention) und Verhältnis(prävention)

Rauher Wind in der Arbeitswelt. Wie menschenverträglich (zusammen)arbeiten unter veränderten Bedingungen?

Die Entwicklung hat enorme Konsequenzen für Betriebe, noch mehr aber für deren Beschäftigte. Von ihnen werden mehr Tempo, mehr Flexibilität, mehr Qualität und permanente Lernbereitschaft erwartet. Nur mit motivierten, gut qualifizierten und vor allem gesunden Arbeitnehmern können Unternehmen darum die wirtschaftlichen Herausforderungen von heute erfolgreich bewältigen und ihre Chancen von morgen nutzen.
Die wesentlichen Kernaspekte der Arbeitsweltveränderung:
– Auslagerung der Konflikte (outgesourced ins Innere des Menschen)
– unsichere, brüchige (prekäre) Arbeitsbedingungen
– steigender Druck (Zeit, Qualität)
– verwischende Grenzen zwischen Privatleben und Berufstätigkeit
– das alles verbunden mit: steigender Eigenverantwortung, Selbständigkeit, Konkurrenz

Die Informationsmedien haben das Thema entdeckt. Das Magazin Stern schreibt über „Kollege Angst“ (Sellmair, 2005). Das TV-Magazin Report widmet dem Thema „Psychostress im Job“ einen Beitrag (Report München: Sendung vom 23.6.2003). Die Süddeutsche Zeitung berichtet über Leistungsdruck und den „Tatort Arbeitsplatz“ (Deckstein 2005).
Psychische Probleme im Job, Stress und Erschöpfung sind immer noch ein Tabu.
Die Krankenkassen weisen umso vehementer auf das Thema hin. Der DAK Gesundheitsreport 2002 zeigte in Deutschland zum ersten Mal deutlich, dass Arbeitsunfähigkeit aufgrund von seelischen Erkrankungen deutlich zunimmt. Der Trend hat sich im Gesundheitsreport 2005 so sehr verstärkt, dass der Report sich speziell mit der konstanten Zunahme von psychischen Erkrankungen – vor allem Depressionen – und den möglichen Zusammenhängen mit den heutigen Arbeitsbedingungen beschäftigt. Die Zahlen sind alarmierend: Die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund seelischer Erkrankungen haben im Beobachtungszeitraum 1997 bis 2004 um 69 Prozent zugenommen. Die Zahl der Krankheitsfälle ebenfalls um 70 Prozent. Besonders betroffen sind Mitarbeiter im Gesundheitswesen, in der öffentlichen Verwaltung, in Organisationen und Verbänden, also in Bereichen, in denen direkt mit Menschen gearbeitet und kommuniziert wird.

http://www.dnbgf.de/index.php?id=156#533#533
Stress und psychische Belastungen; Burnout und Mobbing
Was Mitarbeitern im Job weh tut;
Psychisch krank im Job – was tun? ein Schulungsangebot
Umgang mit Krisen
Psychisch krank im Job – was tun? eine Broschüre des BKK BV un BApK e.V.
Psychische Gesundheit: Herausforderungen annehmen, Lösungen schaffen
Grünbuch
Was Sie schon immer über Stress wissen wollten
Bevor der Job krank macht
Psychische Erkrankungen – ein Thema im Arbeitsleben?
Leitfaden zur betrieblichen Suchthilfe
Wege aus der Stressfalle
BAUA Handbuch – Instrumente zur Erfassung psychischer Belastungen

Der Psychotherapie fällt meist die Rolle der nachträglichen Schadensbegrenzung zu, die Justiz erweist sich als – gewollt? – hilflos: Die Beweislastumkehr und die Folgekosten für die Arbeitgeber würden bei einer extensiven Auslegung ihrer Fürsorglichkeitspflicht enorm wachsen..
Empfohlen wird eine Verbindung von Setting- und individualbezogenen Interventionsaspekten: Strukturen der Organisation fokussieren, aber auch Eigenanteile reflektieren, Distanz schaffen, verstehen lernen sowie Entscheidungs- und Handlungskompetenzen entwickeln und die Erarbeitung der beruflichen Perspektive im Kontext einer umfassenden Sinnklärung.

http://www.aplusa-online.de/cipp/md_aplusa/custom/pub/content,lang,1/oid,5519/
ticket,g_u_e_s_t/~/Psychische_Erkrankungen_-_ein_Thema_im_Arbeitsleben_.html
Psychische Erkrankungen – ein Thema im Arbeitsleben? 31.10.2006

Der gestresste Patient – der gestresste Therapeut – Psychohygiene – Risiken und Schutzfaktoren stressabhängiger Erkrankungen
CDK CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK GmbH, 2008 Münster
In der wissenschaftlichen Diskussion um Faktoren, die auf die Erhaltung von psychischer Gesundheit oder auf die Entstehung von psychischen Störungen Einfluss nehmen, spielt Stress eine wichtige Rolle. Eine Stresssituation besteht insbesondere dann, wenn sich eine Person in einer als neu, mehrdeutig, unvorhersehbar oder unkontrollierbar erlebten, jedoch persönlich bedeutsamen Situation befindet.
Auf der physiologischen Ebene erfolgen als Reaktion auf Stress unterschiedlichste zentralnervöse, immunologische und hormonelle Anpassungsprozesse, die der Aufrechterhaltung des physiologischen Gleichgewichts dienen.
Eine Vielzahl von Studien hat gezeigt, dass psychobiologische Fehlanpassungen an Stress zu körperlichen Beschwerden wie Erschöpfungszuständen, Schmerzsyndromen und funktionellen körperlichen Beschwerden führen können.
Inzwischen finden sich aber auch Studien zu gesundheitserhaltenden Anpassungsprozessen an Stress (z.B. eine hohe hedonistische Emotionsregulation oder ein hoher Kohärenzsinn) bzw. zu geschlechtsspezifischen Besonderheiten in der Reaktion auf Stress.
So zeigte sich beispielsweise, dass in einer standardisierten psychosozialen Belastungssituation gesunde Männer signifikant höhere biologische Stressreaktionen aufweisen als gesunde Frauen. Dieser Effekt konnte jedoch durch die pharmakologisch provozierte oder natürliche Freisetzung des Schutzhormons Oxytocin sowohl bei Männern als auch Frauen reduziert werden. Soziale Unterstützung hingegen scheint in dieser spezifischen Stresssituation nur bei männlichen Probanden hilfreich zu sein. Weiterhin zeigt sich, dass Frauen im gebärfähigen Alter biologisch günstigere Stressbewältigungsmechanismen aufweisen als Männer, obwohl Frauen auf der psychopathologischen Ebene stressanfälliger zu sein scheinen. Auch gibt es Hinweise darauf, dass während der Schwangerschaft spezifische psychobiologische Anpassungsprozesse an Stress erfolgen, die u.a. prädiktiven Wert für die postpartale Anpassung der Mutter besitzen.
Darüber hinaus konnte inzwischen eindrücklich belegt werden, dass sich sowohl die biologischen als auch die psychologischen Mechanismen der Stressbewältigung durch psychotherapeutische Interventionen oder durch Sport günstig beeinflussen lassen.

Belege für die wachsende Bedeutung des Themas aus der jüngsten Vergangenheit:

– KIGGS-Studie: Am Robert Koch-Institut (Berlin) wird derzeit der bundesweite Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS) zur gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland durchgeführt.
Gesamtstudie beinhaltet mehrer Teile: Motorik-Modul; Modul psych. Gesundheit; Kinder-Umwelt-Survey; Ländermodul Schl.-Holstein; Ernährungs-Modul
Gesundheitszustand von über 17.000 Kindern und Jugendlichen bis 17Jahre:
Verschiebung von akuten bis zu chronischen Erkrankungen
· Zunahme psychischer Erkrankungen
· Bei 11,0% der Mädchen und 17,8% der Jungen kann von Verhaltensauffälligkeiten
bzw. emotionalen Problemen ausgegangen werden
· Belegt wird eindeutig der Zusammenhang zwischen sozialer Schichtzugehörigkeit und dem Risiko, zu erkranken. Armut macht Kinder und Jugendliche krank – auch psychisch.

Teil Motorikstudie (MOMO):
167 Orte in ganz Deutschland, 4.529 Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 17 Jahren getestet (Motorische Tests; Laboruntersuchungen und Befragung). vom BMFSFJ gefördert, in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (Wiesbaden),
* körperl. Leistungsfähigkeit von Kindern und Jug. liegt ca. 10% unter derjenigen von vor 25 Jahren)
* über ein Drittel der Kinder und Jugendlichen (35%) nicht in der Lage sind, zwei oder mehr Schritte auf einem 3cm breiten Balken rückwärts zu balancieren. Von den Jungen bewältigen 38% und von den Mädchen 32% diese Aufgabe nicht.
* Beim Balancieren auf der T-Schiene gelingt es 86% der Probanden nicht, eine Minute ohne Bodenberührung auf der Schiene zu stehen; auch bei diesem Koordinationstest schneiden die Mädchen besser ab als die Jungen.

Weitere Teilergebnisse: Zum Teil starke Defizite offenbarten sich beim Körpergewicht, der psychischen Gesundheit und der Motorik. Insgesamt 15% der 3 bis 7 jährigen sind übergewichtig, Kinder aus sozial schwachen Familien oder mit Migrationhintergrund sind überdurchschnittlich betroffen. Essstörungen treten vor allem bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien auf. (Anteil der Betroffenen ist mit 27,6% fast doppelt so hoch wie bei Altersgenossen mit höherem sozioökonomischen Status).

– Bericht des Berufsverbandes Deutscher Psychologen und Psychologinnen (BDP) Die Kinder- und Jugendgesundheit steht im Mittelpunkt eines Berichts zur psychischen Lage der Nation (März 2007):
Ergebnisse zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: Aufgrund wissenschaftlichen Arbeiten an mehreren Hochschulen leidet jedes fünfte Kind in Deutschland unter seelischen Problemen, wobei ein Drittel dieser Kinder dringend behandelt werden müsste.
Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen psychischen Auffälligkeiten und einem niedrigen sozioökonomischen Status der Familien; die ungleichen Entwicklungschancen von Kindern aus benachteiligten Familien werden deutlich kritisiert.

Wichtige Empfehlungen an die Politik.
neue Strategie zur konsequenten integralen Versorgung von Kindern und Jugendlichen auf vier Ebenen, die zusammenwirken und alle beachtet werden müsten, damit jede einzelne effizient arbeiten kann:
1. Erste Ebene: Regelversorgung. Erforderlich ist die Bekanntmachung und Verbreitung hochwertiger, wirksamer und effizienter Interventionen.
2. Zweite Ebene: Organisations- und Personalentwicklung für bessere Prävention und Gesundheitsförderung.
3. Dritte Ebene: Ein Netz von Fachkräften. U. a fordert der BDP nachdrücklich eine Anhebung der Schulpsychologendichte in der Bundesrepublik auf das Niveau anderer entwickelter Industrienationen.
4. Vierte Ebene: Psychotherapeutische Hilfe. Sie muss gut zugänglich und breit verfügbar sein.
Der Bericht macht dazu einige auch kurzfristig umsetzbare Vorschläge. Der BDP wird mittels Briefen, persönlichen Gesprächen, ggf. auch Gesprächsrunden anknüpfen. 2008 soll das Thema Gesundheit behandelt werden.
„Bericht zur Kinder- und Jugendgesundheit in Deutschland“ unter
http://www.bdp-verband.org/bdp/politik/2007/70330_kiju-gesundheitsbericht.html

– Bundespsychotherapeuten: die Versorgung mit Kinder- und Jugendlichen- Therapeuten ist in vielen Regionen Deutschlands mehr als mangelhaft (z.B. in Sachsen-Anhalt gibt es nur zwei niedergelassene Kinder- und Jugendlichen- Therapeuten); ähnliche Disparitäten gibt es in der Versorgung durch Kinder- und Jugendpsychiater.

– PM des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen von 02.01.2007: seit einigen Jahren sich abzeichnenden Trend: psychische Erkrankungen nehmen laut Statistik in der Krankenkasse zu; der Krankenstand über alle Krankheitsarten hinweg hat sich seit Beginn der 90-iger Jahre fast halbiert, die psychischen Erkrankungen sind im selbem Zeitraum um 33% gestiegen. Inzwischen sind die psychischen Erkrankungen die vierthäufigste Ursache der Arbeitsunfähigkeit. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Krankenhausbehandlung wegen psychischen Störungen mehr als verdoppelt.
BKK Gesundheitsreport 2007 „Gesundheit in Zeiten der Globalisierung“
Der neue BKK Gesundheitsreport 2007 „Gesundheit in Zeiten der Globalisierung“ ist bereits der 31. Band der seit 1976 vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen jährlich veröffentlichten arbeitsweltbezogenen Berichtsreihe.
Das besondere Augenmerk im diesjährigen BKK Report liegt auf den vielfältigen Erscheinungen einer zunehmend durch Globalisierung geprägten Arbeitswelt. Ständiger und schneller Wandel verbunden mit häufigen Unternehmensrestrukturierungen erhöhen die psychomentalen Anforderungen, das psychisch bedingtes Krankheitsgeschehen nimmt weiter zu. Neben bereits bekannten Auffälligkeiten bei stark belasteten Beschäftigtengruppen, steigen nun auch die Krankheitstage bei hoch qualifizierten, in der Regel ‚gesünderen’ Berufsgruppen an. Unser Blick auf Europa verdeutlicht den Zusammenhang von Arbeitstätigkeit und ‚Herz und Seele’ der Beschäftigten über Deutschlands Grenzen hinaus.
Die vorliegende Datenbasis der BKK-Versicherten spiegelt die gesundheitlichen Befunde etwa eines Viertels der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und jedes/r fünften GKV-Versicherten in Deutschland wider. Auf dieser umfangreichen Datenbasis werden mittels detaillierter Hochrechnungen auch branchen- und berufsbezogene Ergebnisse der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt abgebildet. Hiermit liegen neue Vergleichsdaten für die Gesundheitsberichterstattung in der Arbeitswelt vor. Download des Berichts (6,9 MB)

– Gutachten des Sachverständigenrates für Gesundheit, 6. Juli 2007: Schwerpunkt ist primär Prävention mit Menschen, die keine Arbeit haben, alt und sozial benachteiligt oder wohnungslos sind. (Anliegen der Diakonie wurden zum Teil aufgegriffen). Unter anderen: soziale Eingliederungsleistungen (§16 Abs. 2 SGB II) hat erhebliches präventives Potential; gesundheitliche Prävention sollte explizit in das SGB II und III aufgenommen werden.

– 13. Kinder- und Jugendbericht (ab September 2007): „Gesundheitsbezogene Prävention und Gesundheitsförderung in der Kinder- und Jugendhilfe„ (Arbeitstitel).

Der Begriff „Gesundheitsförderung“ basiert auf die am 21.11.1986 verabschiedete Ottawa-Charta der WHO.
Ottawa-Charta mit ihrem weitgehenden Verständnis von Gesundheitsforderung:
Beide Seiten: die der Subjekte und die gesellschaftlichen Verhältnisse werden in den Blick genommen.
Dieses Verständnis hat eine Reihe von Parallelen zu fachlichen Standards der Kinder und Jugendhilfe (z.B. Konzepte wie Ressourcenorientierung, Empowerment, Stärkung vom Schutzpotenzialen, Standards zur Beteiligung von Kinder und Jugendlichen).
Neben den offiziellem Vorgaben (z.B. in den §11 und 81 SGB VIII oder den Bildungsplänen der Länder für die Kindertagesbetreuung) werden in der alltäglichen Fachpraxis in allen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe gleichsam nebenher Gesundheitsförderndes geleistet.
Bislang der konsequenteste Versuch, die Mitverantwortung der Kinder und Jugendhilfe bei der Gesundheitsforderung zu beschreiben hat die AG der obersten Landesjugendbehörden im Jahr 2005 vorgelegt. Dabei werden Ansatzpunke gesehen, u.a. auch in der „Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit“.
Begriff Gesundheit: nicht einfach Gegenteil von Krankheit, sondern das „Stadium des Gleichgewichts von Risikofaktoren und Schutzfaktoren, das eintritt, wenn einem Menschen eine Bewältigung sowohl der inneren (körperlichen und psychischen) als auch äußeren (sozialen und materiellen) Anforderungen gelingt“.
Daraus ergeben sich unterschiedliche Herausforderungen für die einzelnen Felder (Gesundheitsförderung in einem privaten Kindergarten, getragen von wohlbetuchten Eltern sieht anders aus als Strassensozialarbeit bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund).
Das Handeln und die Selbstwahrnehmung der Subjekte rücken in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
„Kategorien wie Selbstwirksamkeit, Kohärenzgefühl, Selbstvertrauen, bewusste Lebensführung sind vertraute Begriffe, …, bedürfen aber erst noch der gemeinsamen Ausfüllung und Umsetzung“.

– Deutschen Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF).-> www.dnbgf.de

Das DNBGF geht auf eine Initiative des Europäischen Netzwerks für betriebliche Gesundheitsförderung ENWHP zurück und wird vom BMAS und vom BMG unterstützt. Für die Arbeit des DNBGF wurde eine Geschäftsstelle eingerichtet, die vom BKK Bundesverband, der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), dem AOK-Bundesverband und dem Arbeiter Ersatzkassen Verband (AEV) im Rahmen der gemeinsamen Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) getragen wird. Vor dem Hintergrund einer noch zu geringen Verbreitung von Betrieblicher Gesundheitsförderung in Deutschland soll die Kooperation zwischen allen nationalen Akteuren verbessert werden. Diesem Ziel dient das DNBGF.

Das DNBGF ist in sechs Foren organisiert, die sich auf spezifische Handlungsfelder der betrieblichen Gesundheitsförderung konzentrieren (Großunternehmen, KMU, Öffentlicher Dienst, Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege, Bildung und Erziehung sowie Arbeitsmarktintegration

* Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege
…ein Handlungsfeld mit fast 6 Mio. Menschen beschäftigt. Der Bereich umfaßt außer den Einrichtungen der Gesundheitsversorgung noch über 93.000 Einrichtungen aus dem Bereich der Freien Wohlfahrtspflege. Auch der Bedarf an Gesundheitsförderung charakterisiert das Setting. In keinem anderen Sektor in Deutschland ist der Krankenstand so hoch wie hier.

– Kooperationsverbund „Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten“
Die Gesundheitschancen in Deutschland sind in Abhängigkeit von der sozialen Lage ungleich verteilt: Menschen in schwierigen Lebenslagen erkranken häufiger und schwerer und sterben früher als sozial besser Gestellte. Eine bedarfsorientierte Gesundheitsförderung sollte deshalb vor allem Strategien zur Stärkung gesundheitlicher Ressourcen und zur Minderung gesundheitlicher Belastungen sozial benachteiligter Gruppen entwickeln und umsetzen. Der von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) initiierte Kooperationsverbund „Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten“ hat zum Ziel, das unübersichtliche Handlungsfeld der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung transparenter zu machen, den Austausch über um angemessene Strategien zu verstärken und die Qualität der Angebote zu verbessern.
Auf der Internet-Plattform www.gesundheitliche-chancengleichheit.de werden die Aktivitäten des Kooperationsverbundes dokumentiert und Informationen rund um die soziallagen-bezogene Gesundheitsförderung bereitgestellt. Hier finden Sie u.a. eine bundesweite Projekt-Datenbank, Partner-Organisationen; Informationen zur Arbeit der regionalen Koordinierungs- und Vernetzungsstellen (Regionale Knoten) und zur Qualitätsentwicklung in der Gesundheitsförderung durch gute Praxisbeispiele (Good Practice). Das Angebot wird vervollständigt durch eine Veranstaltungsübersicht und aktuelle Informationen.

EU-Kommission schlägt „Europäischen Pakt für psychische Gesundheit und Wohlergehen“ vor
Die für Gesundheit zuständige Kommissarin Vassiliou hat am 13.06.2008 auf der hochrangigen Konferenz „Together for Mental Health and Well-being“ den „Europäischen Pakt für psychische Ge-sundheit und Wohlergehen“ vorgestellt.
Vorschlag: Erkenntnisse aus der gesamten EU zusammenführen, um gemeinsame Empfehlungen für Maßnahmen in 5 Hauptbereichen zu entwickeln:
Prävention von Selbsttötung und Depression
psychische Gesundheit in den Bereichen Jugend und Bildung
psychische Gesundheit am Arbeitsplatz
psychische Gesundheit bei älteren Menschen
Bekämpfung von Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung.

In Zusammenarbeit mit einzelstaatlichen Ministerien, Experten aus der Praxis und Wissenschaftlern aus verschiedenen Bereichen wurden 4 Konsenspapiere hierzu erarbeitet. Diese enthalten die zurzeit vorliegenden Daten, die politischen Strategien und den derzeitigen Sachstand.
http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/index_7853_de.htm

– Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA)
„Arbeitsbedingter Stress ist eines der größten Probleme im Bereich Gesundheit und Sicherheit in Europa.“
Beinahe jeder vierte Arbeitnehmer ist davon betroffen. Untersuchungen zeigen, dass wahrscheinlich zwischen 50 % und 60 % aller verlorenen Arbeitstage auf Stress zurückzuführen sind. Stress am Arbeitsplatz verursacht hohe Kosten, denn abgesehen vom menschlichen Leid beeinträchtigt er auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in erheblichem Maße. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz hat hierzu einen Internetauftritt vorbereitet.

– Grünbuch der Europäischen Kommission: „Verbesserung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung“
Unter dem Motto „No Health without Mental Health – From Slogan to Reality (31. Mai bis zum 2. Juni in Wien die Mental Health Europe Conference 2007). Im Brennpunkt stehen die Ergebnisse des Beratungsprozesses zum EU-Grünbuch: „Verbesserung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung“ und eine künftige „Europäische Strategie für psychische Gesundheit“.

– Aus: Mitteilung der EU-Kommission an den Rat und das EUP „Fortschrittsbericht 2007 zur Strategie für nachhaltige Entwicklung“
Immer mehr Europäer leiden an Adipositas und psychischen Erkrankungen. „…Je nach Land waren 2003 zwischen 30 und 64% der Männer und zwischen 12 und 47% der Frauen im Alter zwischen 25 und 34 übergewichtig oder fettleibig. (…) Psychische Probleme verursachen derzeit in der EU Kosten von mindestens 3-4% des BIP. Depressionen werden nach einer Prognose der WHO 2020 nach Herzerkrankungen die zweithäufigste Krankheitsform sein.“

– Gesunde Beschäftigte – Gesunde Betriebe – Gesunde Gesellschaft
3. Konferenz des Deutschen Netzwerkes für Betriebliche Gesundheitsförderung DNBGF am 16./17. Juni 2008 in Bonn,

– Kongress „Prävention und Gesundheitsförderung in Lebenswelten – mit Qualität“ am 26.02.2008 in Berlin (Online-Dokumentation im Netz)
Erster gemeinsamer Präventionskongress des Bundesministeriums für Gesundheit und der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V.

z.B. Dipl.-Psych. Thomas Kliche,:Projekt „Qualität in der Prävention“, das sich mit Qualitässicherung in Kindertagesstätten befasst,
Prof. Dr. Peter Paulus, (Leiter des Instituts für Psychologe der Uni Lüneburg): „Referenzrahmen schulische Gesundheitsförderung“.
Online-Dokumentation unter: http://www.qs-kongress.de

QUALITÄTSSICHERUNG ist für die Wirksamkeit von Prävention und Gesundheitsförderung unverzichtbar. Neben bereits vorhandenen guten Ansätzen gibt es derzeit auch noch erheblichen Entwicklungsbedarf in Deutschland. Der Kongress gab einen Überblick über verschiedene Ansätze der Qualitätssicherung von Prävention und Gesundheitsförderung in unterschiedlichen Lebenswelten.(Kindertagesstätte, Schule, Stadtteile und Betriebe).

–„Gesundheitsförderung als Aspekt aktiver Arbeitsmarktpolitik. Fachtagung des „Institut, Arbeit und Technik“ (IAT), Gelsenkirchen, 13. Dezember 2006: Gesundheit, Beschäftigungsfähigkeiten, Arbeitslosigkeit hängen eng zusammen. Aktive Arbeitsmarktpolitik…muss deshalb auch Angebote aus dem Gesundheitswesen einbeziehen.

– Arbeitsmarkt und psychische Gesundheit (Jäger, Ruth:2007/07)
Im Zentrum dieser Arbeit steht die Arbeitsmarktsituation und ihr Einfluss auf die Gesundheit Erwerbstätiger. Viele Menschen erleben heute, wie ihre beruflichen, privaten und persönlichen Anforderungen immer stärker zunehmen Zusammenhänge zwischen der Arbeitsmarktsituation und einem personenbezogenen Indikator für Beschäftigungsfähigkeit unter Beachtung von Merkmalen der Arbeitssituation. Das Ergebnis ist ein Plädoyer für die Verhältnisprävention im Bereich der Erwerbsarbeit: Auch in Zeiten mit einer problematischen Arbeitsmarktsituation reicht es nicht aus, einfach nur Arbeit zu haben. Die konkrete Arbeitssituation ist und bleibt die relevante Stellschraube zur Gesundheitsprävention.

– Jugendarbeitslosigkeit und psychisches Wohlbefinden (IAB-Forschungsbericht 13/2007)

– Aus Politik und Zeitgeschichte -APuZ (15.10.2007: Gesundheit und soziale Ungerechtigkeit

– Gesundheitliche Chancengleichheit durch Gesundheitsförderung
Fachgespräch des DW der EKD, 25.01.2006.
Inhalt:
Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten – Chancen und Fallstricke
Lebenslagen und Armutsrisiken – Ergebnisse derArmuts- und Reichtumsberichterstattung
Gesundheitliche Ungleichheit: Daten und Erklärungen
Chancen und Grenzen von Prävention und Gesundheitsförderung bei der Schaffung gesundheitlicher Chancengleichheit
Soziallagenbezogene Gesundheitsförderung stärken –Der Kooperationsverbund „Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten
„Fitness für Kids“ – Frühprävention im Kindergartenalter –.

– DGPPN-Kongress, (21.-24.11.2007, Berlin): „keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit“
Zunehmender Stress in der Arbeitswelt gefährdet psychische Gesundheit
Steigender Zeitdruck, höhere Leistungsanforderungen und wachsende Jobunsicherheit erhöhen zunehmend die psychische Belastung am Arbeitsplatz und damit die Gefahr, eine psychische Störung zu entwickeln. „So zeigen aktuelle Studien, dass sich das Risiko, an einer Depression zu erkranken, durch Arbeitsstress verdoppelt“, (Prof. Thomas Becker, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)). „Gleichzeitig sind psychische Erkrankungen mittlerweile die häufigste Ursache für Frühberentungen.“ Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung in klinischer Behandlung waren, verlieren häufig ihren Arbeitsplatz und bleiben ohne Erwerbsarbeit. Nur 10% der chronisch psychisch kranken Menschen in Deutschland gehen einer Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt nach. „Die Berufstätigkeit ist für die meisten Menschen von großer Bedeutung für das eigene Selbstwertgefühl ist.

Fazit: die Bedeutung psychischer Störungen für die Gesundheit der Bevölkerung weltweit wird unterschätzt. (Ergebnisse von systematischen Literaturrecherche zur Komorbidität von psychischen und physischen Erkrankungen).

– 3. Fachkonferenz des Kommunalen Netzwerks für „Arbeitsmarktintegration und Gesundheitsförderung“ (29. November 2007 in Frankfurt)
Das Leitthema: „Arbeitsfähigkeit“ sowie die Frage, wie und mit welchen Instrumenten diese erfolgreich aktiviert, erhalten und verbessert werden kann.
Barbara Gawlik-Chmiel, die Projektleiterin und David Beck, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gesellschaft für Gesundheit und Organisation GFGO in Berlin präsentierten die Endergebnisse des Projektes der Werkstatt Frankfurt „Arbeitsmarktintegration durch Gesundheitsförderung“, bei dem arbeitslose und gesundheitlich eingeschränkte Frauen und Männer unter professioneller Anleitung ihre Arbeitsfähigkeit wieder erlangen und stabilisieren sollten.
Das Projekt dauerte 1 Jahr und Anfangs aus einer 3-monatigen gesundheitsfördernden Phase und einer anschließenden Arbeitsgelegenheit bei städtischen Kooperationspartnern bestand.
PowerPoint Präsentation Vortrag Barbara Gawlik-Chmiel & David Beck

Die Idee einen Leitfaden für arbeitssuchende Menschen zu entwickeln, wurde thematisiert.
Leitfaden für Berater und Beraterinnen arbeitssuchender Menschen über gesundheitsförderliche Sport- und Gesellschaftsangebote in Frankfurt am Main
Brigitte Jürgens-Scholz: Zusammenarbeit des Deutschen Netzwerkes für Betriebliche Gesundheitsförderung DNBGF mit dem Kommunalem Netzwerk für Arbeitsmarktintegration und Gesundheitsförderung. PowerPoint Präsentation Vortrag Brigitte Jürgens-Scholz
„Arbeitslosigkeit und Gesundheit“: Befunde und gesundheitsförderliche Interventionsstrategien (Prof. Dr. Thomas Elkeles, Hochschule Neubrandenburg). PowerPoint Präsentation Vortrag Prof. Dr. Thomas Elkeles
Petra Homberg (AOK Hessen): „Gender – Mainstreaming in der Gesundheitsförderung“ PowerPoint Präsentation Vortrag Petra Homberg

Dr. Peter Kuhnert (Universität Dortmund): Probleme von Gesundheitsprojekten mit langzeiterwerbslosen Menschen und neue Ansätze. PowerPoint Präsentation Vortrag Dr. Peter Kuhnert

– Neurologen und Psychiater (22.11.07)
http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de/npin/npinaktuell/show.php3?id=823&nodeid=4

Erwerbsarbeit darf nicht psychisch krank machen
Die Zahl psychisch Kranker nimmt von Jahr zu Jahr zu. Experten schätzen, dass jeder 3. bis 4. Deutsche einmal in seinem Leben eine seelische Erkrankung durchlebt. Die heutige Arbeits- und Leistungswelt muss als ein Auslöser psychischer Probleme wie beispielsweise bei Burnout, Mobbing, bei Ängsten und Suchtmittelgebrauch bedacht werden, die, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden, in länger dauernde, manifeste psychische Störungen wie z.B.Depression und Angststörungen übergehen können. „Neueste Forschungsergebnisse zeigen uns, dass krankmachender Stress vor allem bei Beschäftigten entstehen kann, deren über Jahre geleistete hohe Verausgabung nicht durch angemessene Wertschätzung und Bezahlung ihrer Arbeit sowie Sicherheit des Arbeitsplatzes und Aufstiegsmöglichkeiten ausgeglichen wird“, (Prof. Becker, der Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm). „Wir haben Hinweise, dass bestimmte Aspekte der modernen Arbeitswelt das Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen erhöhen können. Belastungen durch Arbeit hat es immer schon gegeben, aber die Tatsache verdient bei Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik Beachtung. Strukturelle Maßnahmen zur Verringerung von Stressbelastungen sowie zur Verbesserung des Führungsverhaltens und die Schaffung einer innerbetrieblichen Anerkennungskultur können sich günstig auswirken.“

Gesundheitsförderung ist ein wichtiger Baustein der Gewaltprävention, da viele Potentiale zur Selbststärkung und zur Einbindung in die Gemeinschaft weggebrochen seien. (in: Gehl, G. (Hrsg.): Auswege aus der Gewalt an Schulen. Projekt und Konzepte, Band 2. Weimar: Bertuch Verlag, 2007.)

BGFA – Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist als Institut der Ruhr-Universität Bochum (RUB) an der Schnittstelle zwischen arbeitsmedizinischer Forschung und der Praxis für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz positioniert.

BGAG – Institut Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist Teil der BG-Akademie in Dresden.
(BGAG: Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften GmbH)

IGA: In der Initiative Gesundheit und Arbeit kooperieren gesetzliche Kranken- und Unfallversicherung, um gemeinsam arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren durch Arbeitsschutz und betriebliche Gesundheitsförderung vorzubeugen

DNBGF: Deutsches Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung. www.dnbgf.de
Das DNBGF geht auf eine Initiative des Europäischen Netzwerks für betriebliche Gesundheitsförderung ENWHP zurück, das sich den Aufbau informeller Infrastrukturen und nationaler Netzwerke in allen Ländern Europas zum Ziel gesetzt hat. Im Juni 2002 fasste der „Kooperationskreis Betriebliche Gesundheitsförderung“ beim Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) den Beschluss, diese Initiative und damit den Aufbau einer nationalen Plattform zu unterstützen.
6 Foren: Großunternehmen; Kleine- und mittlere Unternehmen KMU; Öffentlicher Dienst; Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege; Bildung und Erziehung; Arbeitsmarktintegration u. Gesundheitsförderung

BzgA: Bundeszentrale für besundheitliche Aufklärung www.bzga.de

Inqua: Initiative Neue Qualität der Arbeit www.inqua.de
Gemeinschaftsinitiative aus Bund, Ländern, Sozialpartnern, Sozialversicherungsträgern, Stiftungen und Unternehmen.
Drei Thematische Initiativkreise (TIK) betreuen das Thema Psychische Fehlbelastung / Stress:
– Der TIK „Körper, Geist und Arbeit“ widmet sich im Rahmen ganzheitlicher Präventionsansätze dem Thema
– TIK „Traumatische Ereignisse“: 12 Kooperationspartner aus unterschiedlichen Bereichen zusammengeschlossen
– TIK „Gesund Pflegen“: Transfer des vorhandenen Wissens über gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen in Pflegeeinrichtungen

KIGGS-Studie:
Ein zentraler Teilbereich ist die Erfassung der motorische Leistungsfähigkeit und der körperlich-sportlichen Aktivität – im Rahmen des Motorik-Moduls (MoMo, www.motorik-modul.de) -von 2002 bis 2006. am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlruhe (TH)

Teil Motorikstudie (MOMO):
167 Orte in ganz Deutschland, 4.529 Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 17 Jahren getestet (Motorische Tests; Laboruntersuchungen und Befragung). vom BMFSFJ gefördert, in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (Wiesbaden),
* körperl. Leistungsfähigkeit von Kindern und Jug. liegt ca. 10% unter derjenigen von vor 25 Jahren)
* über ein Drittel der Kinder und Jugendlichen (35%) nicht in der Lage sind, zwei oder mehr Schritte auf einem 3cm breiten Balken rückwärts zu balancieren. Von den Jungen bewältigen 38% und von den Mädchen 32% diese Aufgabe nicht.
* Beim Balancieren auf der T-Schiene gelingt es 86% der Probanden nicht, eine Minute ohne Bodenberührung auf der Schiene zu stehen; auch bei diesem Koordinationstest schneiden die Mädchen besser ab als die Jungen.
* Bei der Rumpfbeuge, einem Test zur Messung der Beweglichkeit, erreichen 43% nicht das Fußsohlenniveau, wobei hier ein ganz deutlicher Geschlechtsunterschied sichtbar wird: Mit 53% schafft es über die Hälfte der Jungen gegenüber 33% der Mädchen nicht, die Fingerspitzen tiefer als Fußsohlenniveau zu strecken.
* Bei der Messung der Kraftfähigkeit mittels Standweitsprung zeigt sich, dass sich die Kinder und Jugendlichen im Vergleich zu Messungen von 1976 um 14% verschlechtert haben. Berechnet wurde hierbei der Quotient zwischen Sprungweite und Körpergröße.
allerdings eine Art „Paradoxie“: noch nie so viel Kinder im Verein sprtlich aktiv und aber auch immer mehr steigender Anteil, die unter Bewegungsmangel leiden -> Schere wird größer

Gesundheit entdecken in der Grundschule: geht nur durch: forschendes Lernen!!; „Selbstwirksamkeit“ stärken [Prof. Dr. Alexander Woll, Sportwissenschaft, Uni Konstanz]
E
Altersgruppen
Testbereiche Testinhalt Testaufgaben 4–5 Jahre, 6–10 Jahre, 11–17 Jahre
Koordination KP Linie nachfahren (MLS) X X X
KP Einbeinstand X X X
KP Balancieren rückwärts X X X
KZ Stifte einstecken (MLS) X X X
RS Reaktionstest X X X
Kraft KA Seitliches Hin- und Herspringen X X X
KA Liegestütz – X X
SK Standweitsprung X X X
SK Kraftmessplatte X X X
Ausdauer AA Fahrradausdauertest – X X
Beweglichkeit B Rumpfbeugen X X X

Nicht hervorgehoben: KiGGS-Kern-Survey (Robert Koch-Institut), hervorgehoben bzw. fett: Zusatzmodul Motorik (MoMo); KP Koordination bei Präzisionsaufgaben, KZ Koordination unter Zeitdruck, RS Reaktionsschnelligkeit, KA Kraft-Ausdauer, SK Schnellkraft, AA Aerobe Ausdauer, B Beweglichkeit, MLS Motorische Leistungsserie

Geschlecht Jungen: 51,1% (N=2215), Mädchen: 48,9% (N=2314)
Sozialstatus hoher Sozialstatus: 27,6 % (N=1232),
mittlerer Sozialstatus: 47,4 % (N=2119),
niedriger Sozialstatus: 25 % (N=1115.
Migrationshintergrund 14,4 % (N=648) der Kinder und Jugendlichen
Region Land: 18,5 % (N=835),
Kleinstadt: 27,9 % (N=1266),
mittelstädtische Region: 29,4 % (N=1331),
Großstadt: 24,2 % (N=1098)

http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/SID-3D0AB75D-669CC4DA/hbs/hs.xsl/107.html
Mitbestimmung, 03/2008: Arbeitsschutz: Was Menschen bei der Arbeit krank macht

Prof. Dr.JOHANNES SIEGRIST, (Medizinsoziologie, Universität Düsseldorf):
Wie kann man die Gesundheitsbelastung einer Tätigkeit messen? Gibt es allgemeine Kriterien, die sich zur Beurteilung der unterschiedlichen Arbeitsplätze eignen? Antwort der modernen Arbeitsstressforschung:
nur diejenigen Tätigkeiten als Stress auslösend – und damit als langfristig gesundheitsgefährdend -, welche mindestens zwei der folgenden drei Merkmale aufweisen:
1. : Die Anforderungen weichen von dem üblichen Maß ab (Überforderung oder Anforderung, deren Bewältigung die Beschäftigten wiederholt an ihre Leistungsgrenzen führt): auf die Menge oder auf die Schwierigkeit der zu leistenden Arbeit beziehen. Seltener: dass anspruchslose Tätigkeiten hoch qualifizierte Personen stark unterfordern.
2.: Solche herausfordernden Tätigkeiten sind dann Stress auslösend, wenn sie den Beschäftigten nur wenig Spielraum und Kontrolle zur eigenen Aufgabenerfüllung überlassen und ihnen kaum Gelegenheit bieten, eigene Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
3.: Stresserfahrungen bei Tätigkeiten, die zwar erfolgreich bewältigt, aber nicht angemessen belohnt werden. (Geld, auch die beruflichen Aufstiegschancen, die Arbeitsplatzsicherheit und – nicht minder wichtig – die für gute Leistung erfahrene Anerkennung und Wertschätzung).

Internationalen Arbeitsstressforschung: für Zusammenhang zwischen „schlechter“, also stressauslösender Arbeit und Gesundheitsgefährdung anhand empirischer Studien: vor allem zwei Modelle
1. das Anforderungs-Kontroll-Modell
kombiniert die Tätigkeitsmerkmale „Höhe der quantitativen Anforderungen“und „Ausmaß des Kontrollspielraums“. (kritische Arbeitsbelastungen: Zusammenwirken von hohem Leistungsdruck und geringem Kontroll- und Entscheidungsspielraum). Typische Beispiele: Akkordarbeit am Band, verschiedene un- und angelernte Berufe im produzierenden Gewerbe; einfache Dienstleistungstätigkeiten, wie etwa im Call-Center oder Reinigungsgewerbe.

2. das Modell beruflicher Gratifikationskrisen.
kombiniert die Stärke beruflicher Verausgabung mit den angemessenen, im Gegenzug gewährten Belohnungen. (Kritische Arbeitsbelastungen:bei Tätigkeiten, bei denen hoher Verausgabung, keine angemessenen Belohnungen; in denen also der ausdrücklich oder stillschweigend vereinbarte Grundsatz des gerechten Tauschs zwischen Leistung und Belohnung verletzt wird). Z.B. Branchen mit Niedriglohn oder unklaren Erschwerniszulagen, Tätigkeiten in Zeitarbeit oder anderen Formen prekärer Beschäftigung, auch höher qualifizierte Tätigkeiten wie personenbezogene Dienstleistungen – etwa Verkehrsberufe, Pflege- und Sozialberufe oder Lehrer.

Johannes Siegrist/Nico Dragano: PSYCHOSOZIALE BELASTUNGEN UND ERKRANKUNGSRISIKEN IM -ERWERBSLEBEN: BEFUNDE AUS INTERNATIONALEN STUDIEN ZUM ANFORDERUNGS-KONTROLL-MODELL UND ZUM MODELL BERUFLICHER GRATIFIKATIONSKRISEN. Bundesgesundheitsblatt 2008 (im Erscheinen).
Die Mehrzahl der vorliegenden Studienergebnisse zur Häufigkeit Stress auslösender Beschäftigungsverhältnisse:liegen in einem Streubereich zwischen 10% und 33% aller Beschäftigten.
Die beiden Gesundheitsgefahren „koronare Herzkrankheiten“ und „Depressionen“ stellen vor allem in der Altersgruppe der 45- bis 64-jährigen Erwerbstätigen erhebliche Risiken dar,(für längere Arbeitsunfähigkeit, auch für krankheitsbedingte Frühberentung und frühzeitigen Tod). Mindestens 15 Längsschnittstudien in Betrieben haben den Zusammenhang zwischen Arbeitsstress und Herzinfarktrisiko untersucht.

Die Arbeitswelt ist härter geworden. – die Optimierung, die Flexibilität, die Nachtschichten, die prekären und unsicheren Jobs. Und das alles bei hauchdünner Personaldecke. Personalabbau, Out- oder Insourcing, Fusionen und Umstrukturierungen. Als stärkste Veränderung wird die Zunahme der geforderten Arbeitsleistung gesehen. Insgesamt: massive „Arbeitsplatzun-sicherheit“.

Selbst Banker unter 30 klagen über stressbedingte Erkrankungen, …Die Angst geht um, seitdem in den Geldhäusern der Performance-Manager die Regie übernommen hat und jeder Beschäftigte auf seinem PC ablesen kann, ob er/sie genug verkauft hat oder demnächst als Minderleister (low performer) eingestuft wird, (Betriebsrat,Commerzbank Düsseldorf.) nach drei Monaten „Minderleistung“ muss mit einem „ersten Trennungsgespräch durch den Vorgesetzten“ gerechnet werden. Vorsitzende des DAK-Vorstands: mehr als 2000 Angestellte über ihre Arbeitsbedingungen in Banken und Finanzinstituten befragt. Die im Dezember 2007 vorgelegte Studie „bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen“,

Eine neue Humanisierungsoffensive der Gewerkschaften:. Wo ganz Deutschland Entspannung sucht und um Stressbewältigung ringt, sind es die Gewerkschafter/-innen/ Betriebsräte, die für Gute Arbeit kämpfen (Seite 28).
Die Menschen vor dem massiven Zugriff auf ihre Gesundheit zu bewahren und der Arbeitswelt ein menschliches Maß zu geben.

IG-Metall-VS (Hans-Jürgen Urban):
Def. „Gute Arbeit“: beinhaltet: ein faires, abgesichertes Einkommen, Beschäftigungssicherheit, soziale Sicherheit und die Möglichkeit, interessante Arbeit zu machen und sich weiterentwickeln zu können. (den erbrachten Leistungen angemessene Belohnungen in Form von Bezahlung, beruflichem Fortkommen, Arbeitsplatzsicherheit sowie Anerkennung und Wertschätzung)
erleben ein arbeitspolitisches Roll-back. Gleichzeitig nehmen psychische Belastungen in rasantem Tempo zu. Die Menschen stehen unter enormem Druck.
hat uns – ehrlich gesagt – der Finanzmarktkapitalismus kalt erwischt. Wir haben die Wucht, mit der das Shareholder-Value-Regime betriebliche Sozialstandards und Arbeitsbedingungen in Frage stellt, unterschätzt.
mit einer neuen Maßlosigkeit zu tun: überlange Arbeitszeiten, eine nie da gewesene Verdichtung von Arbeit, hoch geschraubte Leistungsanforderungen. Viele erleben einen geradezu imperialen Zugriff auf den ganzen Menschen und seine gesamte Lebenszeit.

Gesellschaftliche Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die seelische Gesundheit
Verursacht die Gesellschaft psychische Störungen? DGPPN, 2007
Es bestehen zahlreiche Hinweise dafür, dass seelische Erkrankungen in unserer Gesell-schaft deutlich häufiger geworden sind. Wenngleich aktuelle epidemiologische Untersuchungen methodisch kaum mit entsprechenden Studien, die vor Jahrzehnten durchgeführt wurden, vergleichbar sein dürften, so gibt es doch zahlreiche indirekte Hinweise für eine solche Zunahme psychischer Störungen. Beispielsweise haben Krankschreibungen und Frühberentungen aufgrund psychischer Störungen deutlich zugenommen.
Frage: welche gesellschaftlichen Veränderungen sind für die Zunahme psychischer Störungen verantwortlich
In unserer modernen Industriegesellschaft haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Veränderungen: der demographischen Struktur, im Lebensstil, in den Rollenerwartungen von Männern und Frauen, den Leistungsanforderungen im schulischen und beruflichen Bereich.
Zahlreiche Veränderungen der Lebensgewohnheiten haben wiederum biologische Auswirkungen. Beispielsweise Ess- und Bewegungsverhalten (die Häufigkeit von Übergewicht dramatisch zugenommen, während das durchschnittliche Maß an körperlicher Bewegung abgenommen hat). Auch Schlafverhalten (es immer weniger an den zirkadianen Rhythmus angepasst ist und die durchschnittliche Schlafdauer immer mehr abgenommen hat).
Zusammenfassend bestehen deutliche Hinweise dafür, dass insbesondere ein Abnahme dauerhafter sozialer Bindungen aber auch Schlafmangel und ein Verlust sozialer Rhythmen mit einem erhöhten Risiko für affektive Störungen und Suchterkrankungen verbunden ist.

Epidemiologie psychischer Erkrankungen in Deutschland: Gibt es eine Zunahme psychischer Erkrankungen in der Gesellschaft? Hans-Ulrich Wittchen, DGPPN, 2007
Nur ein Bruchteil aller definierter psychischer Störungen ist in der epidemiologischen Forschung der letzten 3 Dekaden hinreichend stabil und differenziert untersucht worden um diese Frage zu beantworten. In der Interpretation derartiger Daten sind zudem viele methodische (Design, sampling, Untersuchungsmethoden, Differenzierung von Zeit- und Kohorten Effekte, größere gesellschaftliche Bereitschaft der Offenlegung, etc) Fallstricke zu beachten.
Als relativ gut untersucht gelten Psychotische Störungen, Depression, Substanzstörungen und mit Einschränkungen Angststörungen.
…dass für psychotische und Angststörungen unter Berücksichtigung methodischer Aspekte keine Zunahmeeffekte gesichert werden konnten, wohl aber für
a) Substanzstörungen und depressive Störungen. Bei Substanzstörungen ergeben sich substanzbezogen international z.T. variable Zeiteffekte, z.T. Muster der Zu- und Abnahme in der Gesamtpopulation (z.B. sinkende Raucherraten in den USA versus Anstieg in Deutschland) oder Teilen derselben (z.B. starke Zunahme bei jüngeren Frauen versus stabile Raten bei Männern. Ein wesentlicher Teil dieser Variationen im Suchtbereich lässt sich auf Verfügbarkeitsaspekte und legislative Akte zurückführen.
b) Wesentlich monotoner und stabil: drastisch zunehmende Raten depressiver Störungen nachweisen. In allen epidemiologischen Studien konnte in den letzten 3 Dekaden 2-3-fach höhere Raten auch bei Anlegen gleicher diagnostischer Kriterien und nach Ausschluss verschiedener untersuchungstechnischer Aspekte nachgewiesen werden. Zwingende konsensusfähige Erklärungen für diesen Anstieg liegen noch nicht vor, allerdings konnte in mehreren methodischen Arbeiten ausgeschlossen werden, daß dieser Anstieg Ausdruck von Methodenartefakten ist.
Wittchen H.U. & Jacobi (2005): Size and burden of Mental Disorders in Europe. European Neuropsychophyrmacology,15,4 (Special Issue).

Zurhorst, Günter / Gottschalk-Mazouz, Niels
Krankheit und Gesundheit
Philosophie und Psychologie im Dialog, Bd. 4, 1. Auflage 2008, Vandenhoeck & Ruprecht
»Gesundheit ist dasjenige Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen«, meinte Friedrich Nietzsche. Wie steht es heute um die Begriffe Kranksein und Gesundsein?

Gesundheit und Krankheit sind zwar sehr bedeutsame Angelegenheiten jedes einzelnen Menschen, aller Gesundheitsberufe und des gesellschaftlichen Versorgungssystems insgesamt. Dennoch scheint wenig Klarheit zu herrschen, was denn genau (psychische) Krankheit oder (psychische) Gesundheit ausmacht und wodurch sich beispielsweise die Behandlung von Krankheiten von einer Verbesserung der Gesundheit unterscheidet.
…dass die Psychologie (wie auch die Medizin) einer philosophischen Reflexion bedarf.
… besonderer Bedeutung die kritische Auseinandersetzung zwischen einerseits naturalistischen und andererseits normativistischen Konzepten von Krankheit und Gesundheit,

Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Günter Zurhorst (für Klinische Sozialarbeit, Klinische Psychologie und Gesundheitswissenschaften an der Hochschule Mittweida).
Priv.-Doz. Dr. phil. Niels Gottschalk-Mazouz, (Diplom-Physiker, Wiss. Assistent am Institut für Philosophie der Universität Stuttgart).

DGPPN-Kongress, Berlin, 21.-24.11.2007: Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit

Martin Prince et.al. (Londoner King’s College): „No health without mental health“:
Fazit: die Bedeutung psychischer Störungen für die Gesundheit der Bevölkerung weltweit wird unterschätzt. (Ergebnisse von systematischen Literaturrecherche zur Komorbidität von psychischen und physischen Erkrankungen).

– überprüfen in ihrer Übersichtsarbeit u.a., welchen Anteil psychische Krankheiten zur allgemeinen Krankheitslast durch Arbeitsunfähigkeit und frühzeitigen Tod beitragen.
– suchen nach Beweisen für die Wechselwirkungen zwischen psychischen Krankheiten und anderen Krankheiten (wie z.B. unerklärbare somatische Beschwerden, Infektionskrankheiten und andere Krankheiten sowie Verletzungen).
– Übersichtsarbeiten in „The Lancet“ zum Thema „Globale psychische Gesundheit“.
* die Bedeutung von psychischen Störungen für die Gesundheit der Bevölkerung wird unterschätzt. Psychische Krankheiten erhöhen das Risiko für ansteckende und nicht-ansteckende Krankheiten und tragen zu beabsichtigten und unbeabsichtigten Verletzungen bei. Umgekehrt steigern viele somatischen Krankheiten die Anfälligkeit für psychische Erkrankungen, so dass Komorbidität sowohl das Aufsuchen von Hilfe als auch die Diagnose und Behandlung erschwert. Die Qualität der Gesundheitsversorgung für Menschen mit psychischen Störungen sei verbesserungswürdig.
* Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schrieb 2005 31,7% aller mit Invalidität verbrachten Lebensjahre neuropsychiatrischen Krankheiten zu: am häufigsten trugen dazu unipolare Depressionen bei mit einem Anteil von 11,8%, gefolgt von Alkoholmissbrauch mit 3,3%, Schizophrenie mit 2,8%, bipolare affektive Störung mit 2,4%, und Demenz mit 1,6%.

Invalidität und vorzeitiger Tod
WHO schätzt: neuropsychiatrische Störungen sind jedes Jahr Ursache für 1 bis 2 Millionen Todesfälle und 1,4% aller verlorenen Lebensjahre ausmachen. Zu den Hauptursachen gehören Demenz, Parkinson und Epilepsie. Nur 40.000 Todesfälle führt der WHO-Bericht auf psychische Störungen wie unipolare Depression und bipolare affektive Störung oder posttraumatische Belastungsstörung zurück und 182.000 auf Alkohol- und Drogenmissbrauch. Die Autoren gehen aber von einer weit größeren Dunkelziffer aus (z.B. Selbstmord zählt zu „absichtlich herbeigeführte Verletzungen“; weltweit begehen 800.000 Menschen jährlich Selbstmord, 86% davon in der Entwicklungsländern oder Ländern mit mittleren Einkommen.)
Wechselwirkung zwischen psychischen und anderen Krankheiten
Die systematische Literaturrecherche ergab u.a. einen mäßigen bis starken Zusammenhang von Depression (15 von 22 Studien), Angsterkrankungen (vier von acht Studien) und Herzerkrankungen bzw. Herzinfarkt. Umgekehrt erhöht ein Herzinfarkt das Auftreten einer nachfolgenden Depression um 15- 30%. Ähnliches gilt auch für Schlaganfallpatienten.

zum Zusammenhang mit Diabetes mellitus: widersprüchliche Ergebnissen. Die Anzeichen für eine Komorbidität von Diabetes mellitus und psychischen Störungen sind jedoch wesentlich stärker. So liegt die Prävalenz für Diabetes bei an Schizophrenie erkrankten Patienten bei etwa 15%, während sie in der Durchschnittsbevölkerung bei 2,3% liegt, so die Autoren. Darüber hinaus weisen Patienten mit psychischen Störungen oder Depression und Diabetes die meisten Komplikationen auf. Meta-Analysen legen nahe, dass psychologische Interventionen bei Typ 1- und Typ-2-Diabetes die Kontrolle des Diabetes verbessern können.

Sie fordern, dass die Therapie von psychischen Krankheiten in alle Bereiche, die die Gesundheit betreffen, integriert werden muss.
Quelle: Prince M, Patel V, Saxena S, Maj M, Maselko J, Phillips MR, Rahman A.: No health without mental health. Lancet. 8;370(9590) 859-77 (2007)

Zwei neue Partnerschaften zur globalen Gesundheit
The Lancet; 04.04.2008

Niemals zuvor stand die Gesundheit dermaßen im Mittelpunkt wie nun im 21. Jahrhundert, sowohl in Bezug auf Aufmerksamkeit seitens der Regierungen und der Öffentlichkeit als auch bezüglich der Milliarden Dollar, die derzeit für die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen investiert werden. Wachsende Investitionen verlangen steigende Überwachung sowohl bei der Bewertung von Gesundheitsprogrammen als auch beim Erstellen von Lageberichten über sich abzeichnende Trends und Muster in der globalen Gesundheit. Um politischen Entscheidungsträgern, Forschern, Regierungsmitgliedern und der Öffentlichkeit die bestmöglichen Informationen zum Thema Volksgesundheit zu geben, befassen sich zwei Kommentare in der aktuellen Ausgabe mit der Bekanntgabe zweier neuer Partnerschaften.

Der erste Kommentar beschreibt die neue Lancet-Initiative in Zusammenarbeit mit dem in Seattle lokalisierten Institute for Health Metrics and Evaluation zur Aufspürung globaler Gesundheitstrends. „Health Metrics“ – die Erfassung des Gesundheitszustands größerer Bevölkerungsgruppen oder auf globaler Ebene – war traditionell die Aufgabe großer, staatenübergreifender Institutionen wie der WHO, UNICEF und der Weltbank. Indes ist die Überwachung der Gesundheitssysteme eine komplexe Aufgabe – Schlüsse und Vermutungen zu einem bestimmten Gesundheitsproblem müssen ständig aktualisiert und auf der Basis neuer Daten oder Methoden revidiert werden. Wissenschaftliche Diskussionen sind der Schlüssel zur Stärkung neuer Methoden und zum Aufdecken von Lücken bei existierenden Daten. So scheint es wichtig, dass sich die wissenschaftliche Gemeinschaft intensiv der Aufgebe widmet, Informationen zu neuen Gesundheitstrends zu sammeln, wichtige Gesundheitsdienste zu leisten und die Verfügbarkeit von Geldern und Gesundheitsressourcen zu nutzen.

„The Lancet“ wird eine neue Rubrik ‚Global Health Tracking‘ eröffnen und lädt Wissenschaftler ein, Artikel einzureichen, die „nach strengen wissenschaftlichen Maßstäben Fragestellungen zu Stand, Trends und Mustern der globalen Gesundheit und den Reaktionen der organisierten Gesundheitssysteme auf diese Probleme untersuchen“ sowie Arbeiten, die „die analytische Basis und die Methoden zur Messung der weltweiten Gesundheit stärken“. Die Artikel müssen den Grundprinzipien der Nachvollziehbarkeit durch die detaillierte Beschreibung von Methoden folgen und diese Daten anderen Forschern zur Verfügung stellen.

Ein zweiter Kommentar kündigt den Start einer gemeinsamen Kommission mit dem University College London in Großbritannien an, um die Gesundheitsauswirkungen des Klimawandels zu studieren und darüber zu berichten.

Die Kommission wurde ins Leben gerufen, um den unmittelbaren Gefahren für besonders gefährdete Regionen wie Afrika Rechnung zu tragen sowie der Langzeitbedrohung für den ganzen Planeten. Der Kommentar erklärt: „Die Gesundheit (und das zukünftige Überleben) des Menschen sollte ein zentrales Anliegen der Politiker sein; sie sollten überdenken, wie man am besten die Auswirkungen der Erderwärmung abschwächen kann.“

„The Lancet“ hat versucht, in vernachlässigten Gesundheitsbereichen wie chronischen Erkrankungen, Gesundheit von Müttern und Neugeborenen sowie der Reproduktionsgesundheit einen Anstoß zu geben. Eine kürzliche Serie zu Energie und Gesundheit hob die Verbindung zwischen Klimawandel und exzessivem weltweitem Energieverbrauch hervor.

Das University College London erbringt die größte wissenschaftliche Leistung von allen europäischen Universitäten und ist in seinen Ansätzen sehr global fokussiert auf Lehre und externe Kollaborationen. Es konstatiert: „Weltweite Gesundheitsprobleme, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind, benötigen akademischen Input auch von außerhalb der Biomedizin – aus der Philosophie, Jura, Wirtschaft, Anthropologie, Politik, Ingenieurswissenschaften, Geographie, dem Bauwesen und anderen Disziplinen.“

Der Kommentar schließt: „Wir haben uns über die Notwendigkeit, wissenschaftliche Daten zum Klimawandel zu diskutieren, hinausbewegt; was wir nun brauchen, sind Taten. Die Kommission wird Ideen und Vorschläge der weltweiten Gemeinschaft und der Akademia aller Fachrichtungen aufnehmen, um Empfehlungen herauszugeben, die es erlauben, die Gesundheitsauswirkungen des Klimawandels zu überwachen, abzuschwächen und effektiver zu managen.“

Quelle: Richard Horton, Chris Murray and Julio Frenk. A new initiative and invitation for health monitoring, tracking, and evaluation. Lancet 2008; 371: 1139

http://www.thelancet.com

Weltweite Zunahme von Allergien im Kindesalter

Die Verbreitung von Allergien bei Kindern, wie Heuschnupfen, hat in den vergangenen zehn Jahren weltweit vor allem in jüngeren Altersgruppen zugenommen.

Jahre 1991:’Internationalen Studie Asthma und Allergien bei Kindern‘ (ISAAC): weltweite Verbreitung von Asthma, Heuschnupfen und Ekzemen.
Innes Asher und Kollegen von der Universität Auckland in Neuseeland wiederholten die Studie in den Jahren 2002 bis 2003: Befragung Eltern von mehr als 193 400 sechs bis sieben Jahre alten Kindern aus 37 Ländern zu vorhandenen Symptomen von Asthma und Allergien wie beispielsweise Keuchen. In gleicher Weise wurden etwa 304 680 Kinder im Alter von 13 bis 14 Jahren aus 56 Ländern befragt. Entwicklungsländer wie Südafrika, Brasilien und Iran trugen ebenso zur Studie bei wie auch die entwickelten Länder Kanada, Neuseeland, Schweden und Großbritannien.

Feststellung: Zunahmen der Beschwerden, vor allem in der jüngeren Altersgruppe, häufiger als Rückgänge. Die stärkste Zunahme fand sich für Ekzeme bei den jüngeren Kindern, für Heuschnupfen bei beiden Gruppen. In der älteren Gruppe mit dem vormals häufigen Auftreten von Asthma nahmen die Symptome insgesamt jedoch wieder ab. Die einzigen Regionen, in welchen alle drei Erkrankungen in beiden Altersgruppen häufiger zu- als abnahmen, waren der asiatisch-pazifische Raum sowie Indien.

In Großbritannien nahmen zwischen 1991 und 2003 etwa 1700 Kinder an der Studie teil. Die Häufigkeit von Asthma steigerte sich von 18,4 auf 20,9 Prozent, bei Heuschnupfen von 9,8 auf 10,1 Prozent und bei Ekzemen von 13 auf 16 Prozent.

In nahezu allen Zentren fand sich über den Zeitraum eine geänderte Verbreitung für eine oder mehrere Erkrankungen. Die mittlere jährliche Zunahme von etwa 0,5 Prozent mag gering erscheinen, jedoch können derartige Änderungen wesentliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben, insbesondere, da die Zunahmen bevorzugt in den bevölkerungsreichen Ländern auftraten
Quelle: M Innes Asher and others. Worldwide time trends in the prevalence of symptoms of asthma, allergic rhinoconjunctivitis, and eczema in childhood: ISAAC Phases One and Three repeat multicountry cross-sectional surveys. Lancet 2006; 368: 733 25.08.06 http://www.thelancet.com

Ein gesunder Rücken braucht vier Bewegungskomponenten:
Kraft, Leistung, Flexibilität und Balance.
– Muskelkraft: Nur ein kräftiger Muskel hält den Knochen gesund. Unter einem schwachen Muskelpartner schwindet er (Osteoporose).
– Muskelleistung: Wie schnell und hoch können Sie springen? Kraft x Geschwindigkeit, die Muskelleistung, ist ein Maß für die Jugend. Sie können sie verbessern durch Krafttraining und schnelle Bewegungen wie Seilspringen – und Dehnen. Denn schnelle Bewegung mit hoher Leistung braucht elastisches Grundmaterial: Muskeln, Sehnen, Bänder.
– Flexibilität: Wenn Sie Ihre Sehnen, Bänder und Muskeln nicht regelmäßig bis an die Grenze dehnen, verkürzt sich der Muskel, und die Gelenke büßen an Beweglichkeit ein.
– Balance: Fehlt Muskelleistung, fehlt auch die Flexibilität. Die einzelnen Muskeln spielen nicht mehr koordiniert bei einer Bewegung zusammen.

Warum läuft uns der kalte Schauer ausgerechnet den Rücken hinunter?
Weil den Rücken mehr vegetative Nerven durchziehen als den Bauch. Haben wir Angst, sorgen sie dafür, dass sich die Blutgefäße rasch zusammenziehen, die Muskeln anspannen, die Härchen aufstellen. Den Rücken durchströmt weniger warmes Blut.

Wer dehnt, beugt vor
„Geistige Anspannung erhöht allgemein den Muskeltonus, gerne den der Rückenmuskulatur und dort vor allem den Levator scapulae, auch als Stressmuskel bezeichnet,“ erklärt Wolfgang Scheiber. Anspannung führt zunächst zu Verspannungen und in einer späteren Phase zu Muskelverhärtungen. Sofern nicht durch Dehnübungen bereits bei Beginn der Verspannung dagegen gewirkt wird.

Mit den richtigen Gedanken Schmerzen vertreiben
Klare Schmerzverstärker: „Wahrscheinlich wird der Schmerz nie mehr weggehen“, „Meinen Schmerz kann ich nicht beeinflussen“, … führt zu einer vermehrten Schmerzempfindlichkeit und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, ein chronisches Schmerzsyndrom zu entwickeln. Wie kann man sich dagegen schützen? formelhafte Vorsätze „Mein Rücken ist stark, und ich tue jetzt was dafür, damit er stark bleibt.“ „Es gibt immer einen Ausweg. Kleine Schritte führen zum Erfolg.“

Kritik lastet schwer auf dem Kreuz
Kritik setzt auch dem Kreuz zu – vor allem, wenn man zu den eher introvertierten Menschen gehört. Untersuchung von US Forschern der Ohio State University: setzten Testpersonen durch massive Kritik unter Stress und maßen dann den Druck auf die Wirbelsäule. Ergebnis: Wer die Kritik schweigend schluckte, reagierte mit starker Anspannung der Rumpfmuskulatur, die das Kreuz zusammenpresste – der frontale Druck auf die Wirbel erhöhte sich um elf Prozent, die seitlich wirkenden Muskelkräfte sogar um 25 Prozent. Bei extrovertierten Testpersonen, die Paroli boten oder sich die Kritik nicht so zu Herzen nahmen, blieben die Rumpfmuskeln entspannt – und auch die Wirbelsäule.

Wie sitzt uns die Angst im Rücken?
Den Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und Ängsten sowie Überlastung ist in der chinesischen Medizin seit Jahrtausenden bekannt. Angst schädigt die Nieren. Und die geschwächte Niere verursacht Rückenschmerzen, die dann die Nieren weiter schwächen. Es ist ein Teufelskreis! Die Niere ist der Sitz der Lebensessenz, sie ist zuständig für das seelische Gleichgewicht. Angst, Depressionen und Müdigkeit sind ein Zeichen für Nierenschwäche. Und diese kann zu Rückenschmerzen führen.